Bistum Trier zahlte 2022 wegen Missbrauch 789.000 Euro

Das katholische Bistum Trier hat Betroffenen von sexuellem Missbrauch im vergangenen Jahr insgesamt 789.000 Euro in Anerkennung ihres Leids gezahlt. „Damit wurden insgesamt seit 2010 materielle Anerkennungen des Leides in Höhe von 2.141.500 Euro ausgezahlt“, wie aus dem am Dienstag erstmals veröffentlichten Jahresbericht zu Prävention, Intervention und Aufarbeitung („P.I.A.“) hervorgeht.

Der Bericht ist nach Angaben des Trierer Bischofs Stephan Ackermann bundesweit der erste dieser Art. Es gehe darum, Jahr um Jahr Rechenschaft zu geben, „was wir tun“. Im Laufe der Jahre solle deutlich werden, welche Entwicklung stattfinde. Der Bericht für das Jahr 2023 solle in der ersten Jahreshälfte 2024 erscheinen, kündigte er an. Der Betroffenenbeirat des Bistums Trier erhält die Ergebnisse zur Kenntnis und zur Stellungnahme.

Im Jahr 2022 gab es dem Bericht zufolge 16 Beschuldigungen zu Missbrauch durch lebende katholische Kleriker oder Angestellte in den katholischen Kirchengemeinden und Einrichtungen des Bistums. Drei davon bezogen sich auf aktuelle Vorfälle, die übrigen liegen länger zurück. Bei Beschuldigungen der jüngeren Zeit gehe es eher um Grenzverletzungen und Belästigung, bei weiter zurückliegenden vermehrt um schwere Formen sexualisierter Gewalt, heißt es in dem Bericht. Von den eingegangenen Beschuldigungen hätten fünf keinen Bezug zu Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung gegeben, zwei seien als nicht plausibel bewertet worden. Seit 2010 haben sich den Angaben zufolge insgesamt 243 Betroffene gemeldet.

Von den 748 Pfarreien des Bistums Trier hatten laut Bericht bis Ende 2022 insgesamt 175 ein Schutzkonzept abgegeben, in 365 war es in Bearbeitung und 200 beantragten eine Verlängerung, weil sie etwa wegen Flutschäden oder Fusionen von Kirchengemeinden mehr Zeit brauchten. Die Präventionsbeauftragte des Bistums, Angela Dieterich, betonte, dass die Erstellung von Schutzkonzepten ein sehr langwieriger Prozess sei. Manche Pfarreien hätten nicht einmal ein Jahr gebraucht, bei anderen dauere es auch zwei oder drei Jahre.

Es sei klar, dass Schutzkonzepte nicht jeden Missbrauch verhinderten, sagte Dieterich. Allerdings könne es durch Prävention zu schnelleren und mehr Meldungen kommen. Seit Beginn der Präventionsarbeit im Jahr 2012 haben dem Bericht zufolge im Bistum Trier insgesamt 26.350 Menschen an Präventionsschulungen teilgenommen.