Mini-Gemeinde will eigenständig bleiben

Kein Gemeinderaum, ganze 28 Mitglieder: Waase ist die kleinste Gemeinde der Insel Rügen. Von einer Fusion will trotzdem niemand etwas hören. Als Grund geben die Waaser auch die Kirchenwahl an.

Waase. 28 Mitglieder hat die Kirchengemeinde Waase auf Ummanz. Und die wollen eigenständig bleiben als Gemeinde, „Das war immer so und das soll so bleiben. Auch nach der anstehenden Kirchenratswahl“, sagt Kirchenratsmitglied Angelika Jalas.
Die Kirchengemeinderatswahlen: Nach langer Vorbereitung mit groß angelegter Öffentlichkeitskampagne laufen die Wahlen in MV. Alle Gemeinden in der 2012 gegründeten Nordkirche gehen diesen Schritt gemeinsam, in allen über 1 000 Gemeinden werden neue Gemeinderäte gewählt. Fast zwei Millionen wahlberechtigte Kirchenmitglieder sind in der Zeit vom 13. bis zum 27. November zur Wahl aufgerufen.
Ihre ablehnende Haltung zu einer Fusion begründet die Gemeinde auch mit der Kirchenwahl: Während nicht wenige Gemeinden Schwierigkeiten hatten, die erforderliche Zahl an Kandidaten zusammen zu bekommen, war das in Waase kein Problem. „Wir haben sechs Kandidaten für sechs Plätze“, freut sich der zuständige Pastor Joachim Gerber aus Gingst. Er findet es richtig, dass Waase eigenständig bleiben will. „Mir konnte noch niemand überzeugend erklären, warum Mitglieder aus der Gemeinde Gingst über Immobilien und Grundstücke im Waaser Bereich mitentscheiden sollen“, sagt er.
Das hören Angelika Jalas und ihre Mitstreiterinnen Karin Freytag und Bärbel Bieniek gern. Zwar gibt es in Waase nicht das klassische Gemeindeleben mit Veranstaltungskreisen und regelmäßigen Zusammenkünften. Nicht einmal ein Gemeinderaum steht zur Verfügung – aber es gibt die Kirche. Und die beherbergt mit dem Antwerpener Schnitzaltar von 1520/25 ein besonders kostbares Stück. Ursprünglich wurde der Flügelaltar nur zu festlichen Gelegenheiten geöffnet, heute sind die geschnitzten und plastisch wirkenden Szenen des Schreines immer zu bewundern: Szenen aus der Passionsgeschichte sowie dem Leben von Thomas Becket, dem Lordkanzler des englischen Königs Heinrich II. Auf den Flügeln sind insgesamt zwölf Tafelbilder zu sehen, sechs in aufgeklapptem Zustand, sechs in zugeklapptem.
Dieses Kunstwerk wollen jährlich rund 6 000 Besucher bestaunen und kommen deshalb auf die rund 20 Quadratkilometer große Insel Ummanz, die seit 1901 durch eine Brücke an Rügen angebunden ist. Diesen Schatz, das geben die drei Frauen offen zu, wollen sie nicht teilen. Mit viel Engagement organisieren sie von April bis Oktober tägliche Öffnungszeiten für die Kirche, bieten Kirchenführungen und im Sommer auch Konzerte an. Sie fühlten eine große Verbundenheit mit dem Gebäude, sagen alle Frauen übereinstimmend, die Kirche sei identitätsstiftend für ihre Gemeinde. Deshalb kandidieren auch alle drei wieder bei den Wahlen. „Wir haben ein gutes Miteinander und es macht einfach Spaß, möglichst vielen Menschen unseren Schatz zu zeigen“, sagt Bärbel Bieniek.
Auch die zuständige Pröpstin Helga Ruch findet es „sehr beachtlich“, dass genügend Kandidaten für die Wahl zusammen gekommen sind. Früher sei sie sehr dafür gewesen, dass Gemeinden fusionieren. „Aber es war ein Irrtum zu glauben, dass mehr Effizienz in der Gemeindeverwaltung dabei herauskommt“, gibt sie zu. Gemeinden eigenständig zu lassen, bedeute, dass die einzelnen Mitglieder mehr Verantwortung übernehmen. „Es ist allerdings unabdingbar, dass die Gemeinden miteinander kooperieren“.