Milei-Berater fordert Abbruch der Beziehungen zum Vatikan

Beim Wahlkampfabschluss des argentinischen Präsidentschaftskandidaten Javier Milei hat einer seiner engsten Berater unter dem Jubel tausender Anhänger die Einstellung der diplomatischen Beziehungen mit dem Vatikan gefordert. So lange dort an der Spitze ein „totalitärer Geist“ herrsche, müsse man die gleichen Maßnahmen ergreifen wie der frühere Präsident Roca, sagte Wirtschaftswissenschaftler Alberto Benegas Lynch bei seiner Rede, die mit „Freiheit, Freiheit“ Sprechchören unterbrochen wurde. Er selbst bezeichnete sich als überzeugten Katholiken.

Julio Argentino Roca war von 1898 bis 1904 Präsident Argentiniens. In seine Amtszeit fiel unter anderem die Verstaatlichung des kirchlichen Bildungssystems und die Einführung der kostenfreien Grundschulausbildung, was laut Historikern zu einem Bruch mit dem Vatikan führte.

Das Verhältnis zwischen Papst Franziskus und dem radikal-marktliberalen Javier Milei gilt als stark angespannt. Milei hat den Papst immer wieder scharf kritisiert. In einem millionenfach abgerufenen Interview mit dem US-Journalisten Tucker Carlson erklärte Milei, Franziskus unterstütze de facto die brutalen Linksdiktaturen in Lateinamerika, weil er deren Menschenrechtsverletzungen nicht klar verurteile.

Der Papst wiederum warnte vor wenigen Tagen in einem TV-Interview mit der staatlichen Agentur Telam, ohne allerdings Milei namentlich zu nennen, vor „messianischen Clowns“ die schnelle Lösungen versprechen würden: „Manchmal klammern sich Jungen und Mädchen an Wunder, an eine messianische Lösung der Dinge.“ Aber es gebe nur einen Messias, „die anderen sind alle messianische Clowns“.

Am Sonntag stehen in Argentinien die Präsidentschaftswahlen an. Milei von der radikal-marktliberalen „La Libertad Avanca“ liegt laut Umfragen knapp vor dem Vertreter des linksperonistischen Regierungslagers um Wirtschaftsminister Sergio Massa und der konservativen Kandidatin Patricia Bullrich. Zuletzt sah eine Umfrage Massa knapp vorne. Keine Umfrage geht von einem Wahlsieg im ersten Durchgang aus. Die Entscheidung würde dann in einer Stichwahl am 19. November fallen.