Interview

Michel-Architekt fordert mehr Moscheen in Hamburg

Hamburg braucht mehr Moscheen, sagt Joachim Reinig. Dafür könne man nicht mehr genutzte Kirchen abreißen.

Seltenes Prunkstück: Die Blaue Moschee an der Hamburger Außenalster

Hamburg (epd). Der Hamburger Michel-Architekt Joachim Reinig plädiert dafür, nicht mehr genutzte Kirchen abzureißen und auf den frei werdenden Grundstücken Moscheen zu errichten. Die Moscheegemeinden leisteten eine aktive Integrationsarbeit für Menschen, die die staatlichen Stellen nicht erreichen, sagte er im Interview mit der "taz". Moscheen befänden sich in Hamburg häufig in "völligen Nischenlagen". "Wir haben wunderschöne Kirchen, das sollten wir auch anderen Religionen zubilligen", sagte er.
An Flächen mangele es in Hamburg nicht. "Der Kirchenkreis Hamburg-Ost schätzt, dass von den 160 Kirchen ein Drittel aufgegeben werden muss." Also habe man rein theoretisch 50 Standorte, so Reinig. Eine Umnutzung der Kirchen findet der Architekt problematisch. Dass aber Kirchen, die von Gemeinden aufgegeben werden, abgerissen würden, finde er "hinnehmbar". "Am besten wäre es, dort mit den Kirchengemeinden Moscheestandorte zu entwickeln.
Reinig hatte vor drei Jahren eine Studie über Hamburgs Moscheen vorgestellt. Danach hatte fast jede der 42 Moscheen zu wenig Platz. Gebetet werde zum Teil auf Fluren, in Kellern und Hinterhöfen, hieß es dort. Erweiterungen und Neubauten würden jedoch häufig an baurechtlichen Vorgaben scheitern. Reinig hat viele Jahre als Architekt die Sanierung der Hauptkirche St. Michaelis begleitet. Er ist Mitglied in der europäischen Vereinigung der Dombaumeister. (epd)

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