Die bayerischen Bahnhofsmissionen sind zunehmend Anlaufstelle für Menschen mit schweren psychischen oder körperlichen Leiden. Der Anteil dieser Personengruppe steige dramatisch, teilte der Katholische Verband für Mädchen- und Frauensozialarbeit IN VIA am Donnerstag mit. Häufig seien die Bahnhofsmissionen „die erste und nicht selten auch die letzte“ Anlaufstelle für die kranken Gäste. Auch das Thema Altersarmut mache sich bemerkbar: Im Vergleich zu 2024 sei der Anteil von über 65-jährigen Gästen um ein Viertel gestiegen, hieß es. Bereits am Mittwoch hatte sich laut Mitteilung Gesundheitsministerin Judith Gerlach (CSU) in der Würzburger Bahnhofsmission über die Entwicklung informiert.
„Die gesundheitlichen Aspekte der Arbeit der Bahnhofsmissionen sind längst kein Randthema mehr“, sagte Harald Keiser vom Diakonischen Werk Bayern. Als niedrigschwellige, kosteneffektive Einrichtungen sollten sie deshalb in der Gesundheitsversorgung optimal genutzt werden. Dafür seien intensive Schulungen nötig, denn die Hauptarbeit der Bahnhofsmissionen werde von Ehrenamtlichen bewältigt.
Gesundheitsministerin Gerlach betonte laut Mitteilung die Bedeutung der zwölf bayerischen Bahnhofsmissionen für Menschen in sozialen Ausnahmesituationen. Sie kündigte an, die Einrichtungen noch stärker mit Angeboten wie den Krisendiensten Bayern zu vernetzen, „damit Hilfesuchende möglichst schnell die passende Unterstützung bekommen.“
Die bayerischen Bahnhofsmissionen befinden sich in Hof, Aschaffenburg, Schweinfurt, Würzburg, Erlangen, Nürnberg, Ingolstadt, Regensburg, Passau, Augsburg, München und Lindau. Sie werden von den Wohlfahrtsverbänden der evangelischen und der katholischen Kirche finanziert sowie vom Freistaat und der Deutschen Bahn unterstützt. Im vergangenen Jahr verzeichneten die Einrichtungen nach eigenen Angaben mit über 560.000 Kontakten so viel Zulauf wie nie zuvor. Fast jeder dritte Gast sei dabei psychisch belastet. (0123/15.01.2026)