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Medizinerin: Wunsch nach Langlebigkeit mehr als Lifestyle-Trend

Ewiges Leben ohne ernsthafte Leiden? “Longevity” ist zum Trend-Begriff geworden. Die Wissenschaft sieht derweil altbewährte Konzepte als entscheidend an – und verweist auf Grenzen aktueller Möglichkeiten.

Die Hoffnung auf ein möglichst langes und gesundes Leben ist nach Worten einer Medizinerin kein reiner Lifestyle-Trend. Die sogenannte Gero-Science befasse sich mit der Vorbeugung von Alterskrankheiten, sagte Ursula Müller-Werdan am Donnerstag bei der Jahres-Pressekonferenz der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin. Müller-Werdan leitet die Forschungsgruppe Geriatrie an der Berliner Charité.

Der Begriff “Longevity” (dt. etwa “Langlebigkeit”) sei relativ neu, das Ziel eines langen und gesunden Lebens werde aber auch von den Vereinten Nationen verfolgt: Noch bis 2023 läuft die UN-Dekade des gesunden Alterns. In Deutschland hatte es durch die Corona-Pandemie einen Einbruch der Lebenserwartung gegeben; derzeit steigt diese wieder leicht an. Durchschnittlich verbringen Menschen hierzulande jedoch elf Jahre vor ihrem Tod in Krankheit, so die Fachgesellschaft.

Interessant sei ein “Machbarkeitsglaube”, der derzeit von Tech-Milliadären wie Google-Gründer Larry Page oder Amazon-Gründer Jeff Bezos befeuert werde, fügte Müller-Werdan hinzu. Was sich wissenschaftlich belegen lasse, komme weniger spektakulär daher: So seien der Zustand des Herz-Kreislauf-Systems und Langlebigkeit nachweislich verbunden. Die sogenannte kardiovaskuläre Prävention setze auf ausgewogene Ernährung, körperliche Bewegung, ausreichend Schlaf, den Verzicht auf Tabak, Gewichtsmanagement sowie die Kontrolle von Cholesterin, Blutzucker und Blutdruck.

Das Potenzial dieser Maßnahmen sei noch nicht ausgeschöpft, erklärte die Medizinerin. Auch werde in der Gero-Science nach Wegen gesucht, altersbedingter Gebrechlichkeit vorzubeugen und soziale Einbindung betagter Menschen mitzudenken. Den Alterungsprozess als solchen als Krankheit zu definieren, wie es mitunter heute geschehe, lasse sich bislang jedoch nicht belegen.