Luther-Nachfahre: Halloween ist keine Konkurrenz zum Reformationstag

Halloween und Reformation – das schließt sich nicht aus, findet Christian Priesmeier. Und er weiß, wovon er spricht: Der IT-Experte ist ein Nachfahre Martin Luthers.

Kürbisse mit aufgemaltem Gesicht auf einer Treppe nebeneinander
Kürbisse mit aufgemaltem Gesicht auf einer Treppe nebeneinanderThomas Rohnke

Hameln. Der Vorsitzende der Vereinigung der Nachfahren des Reformators Martin Luther, Christian Priesmeier, sieht es entspannt, dass der Reformationstag am 31. Oktober immer mehr Konkurrenz von Halloween bekommt. „Der Gewinner ist Halloween, das kann man sicher sagen. Und ich verstehe überhaupt nicht, warum das so schlimm sein soll“, sagte der Vorsitzende der Lutheriden-Vereinigung, der rund 200 Luther-Nachfahren angehören, im Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst (epd). Das Gedenken an den Beginn der Evangelischen Kirche vor rund 500 Jahren und das Feiern des vor allem in den USA populären „Fests des Grauens“ würden sich einander keineswegs ausschließen.

Er selbst habe vor einigen Jahren an einem 31. Oktober in den USA erst eine Luther-Statue eingeweiht, dann einen klassischen Gottesdienst in der lutherischen Gemeinde gefeiert und anschließend erlebt, wie die Familien nach dem Gottesdienst durch die Gegend gezogen seien und in den Vorgärten „Süßes statt Saures“ gerufen hätten. „Halloween und Reformation ganz natürlich zu verbinden, das fand ich schön“, betonte Priesmeier. „Dieses ‚Entweder, oder‘ ist etwas typisch Deutsches.“

„Historische Leistung“

Mit Blick auf Martin Luthers Lebensleistung, vor allem seine bis heute gebräuchliche Bibel-Übersetzung, sagte Priesmeier: „Ich finde es vor allem faszinierend, dass es fast genau der Text ist, den wir heute immer noch lesen. Für mich ist Luther in diesem Moment weniger mein Urahn, ich empfinde vor allem demütigen Respekt vor seiner historischen Leistung“.

Zugleich äußerte der IT-Fachmann, der auch Theologie studiert hat und als Prädikant Gottesdienste gestaltet, Zweifel, dass Luther ähnlich wirksam wäre, wenn er heute leben würde. „Ich bin der Meinung, dass Luther mit seiner holzschnittartigen Sicht auf die Welt heute heillos scheitern würde“. Luther sei aus heutiger Sicht „wohl schon ein bisschen populistisch“ gewesen. Er wäre wahrscheinlich „medial unbeliebt, weil er nicht den Konsens sucht“. In seiner Zeit sei Luther dagegen genau der Richtige gewesen: „Ein Leisetreter hätte die Reformation nie so kraftvoll in Gang setzen können“, unterstrich Priesmeier.

Schätzungen zufolge leben weltweit rund 5.000 Menschen, die direkt oder in Nebenlinien von Martin Luther und seiner Frau Katharina von Bora abstammen. Mit Luthers Anschlag der 95 Thesen gegen kirchliche Missstände um den 31. Oktober 1517 in Wittenberg begann eine kirchliche Erneuerungsbegegnung, die zugleich den Beginn der Evangelischen Kirche markiert. Der Reformationstag ist in neun Bundesländern ein gesetzlicher Feiertag. (epd)