Lokschuppen-Ausstellung spürt der Heldenverehrung nach

Muhammad Ali war „der Größte“. So lautete zumindest seine Selbstbezeichnung. Warum seine Boxhandschuhe ab dem Wochenende in Rosenheim gezeigt werden.

 Nobelpreisträger, Lebensretter, Supermänner – um sagenhafte Kraftprotze, Alleskönner, aber auch versteckte Helden des Alltags dreht sich eine neue Mitmach-Ausstellung im Rosenheimer Lokschuppen. Ab 8. März werden dort Zeugnisse des Heldentums aus aller Welt präsentiert: vom lebensgroßen „Batmobil“ aus Tim Burtons Hollywood-Blockbuster bis zum Spielerpass von Fritz Walter, einem der „Helden von Bern“ bei Deutschlands erstem Fußball-WM-Titel 1954.

Insgesamt 351 Exponate laden Besucherinnen und Besucher bis 15. Dezember zu ihrer ganz persönlichen Heldenreise ein. An mehreren Stationen können sie Rätsel lösen, ihre Kräfte mit Monstern messen, durch Labyrinthe hindurchfinden.

Dabei sollen junge und auch ältere Gäste zum Nachdenken angeregt werden: Warum mag ich James Bond, welche Poster hatte ich in meinem Zimmer hängen, was macht einen Menschen zum Vorbild, zur Legende? Die Ausstellungsmacher rechnen bis 15. Dezember mit rund 150.000 Besuchern. Sie sollen mit ihren Tickets 90 Prozent der Investitionskosten von 2,4 Millionen Euro refinanzieren.

Bayerns Staatskanzleichef Florian Herrmann (CSU) sagte bei der Vorstellung des Ausstellungsprogramms am Mittwoch: „Es braucht immer Mut, Willenskraft und Herz, um das Beste aus sich herauszuholen, um ein kleiner oder großer Held zu sein.“ Ohne solche besonderen Menschen, die den Unterschied ausmachten, wäre das Leben ärmer. Helden des Alltags könnten aber auch pflegende Angehörige sein.

Unter dem Hashtag #heROs2024 hat der Veranstalter ein Rahmenprogramm mit vielen Kulturschaffenden, Vereinen und Gruppen auf die Beine gestellt. Zu den 60 Events zählen den Angaben zufolge Filme, Konzerte, Theatervorstellungen, Workshops, ein Kinderprogramm und ein dreitägiges Lesefestival im September mit dem „Who is Who“ der deutschen Fantasy-Literatur. Erstmals hat das Ausstellungszentrum eigenes Unterrichtsmaterial zum Thema „Heldinnen und Helden“ erarbeitet, das von seiner Internetseite kostenlos heruntergeladen werden kann.

Kurator Thomas Forstner sagte, die Ausstellungsmacher hätten sich bewusst einer Wertung enthalten. „Ob jemand ein Held oder eine Heldin ist, das soll jeder für sich entscheiden.“ Für Forstner selbst ist der britische Polarforscher Ernest Shackleton (1874-1922) ein Held. 1915 wurde sein Expeditionsschiff in der Antarktisregion vom Packeis zerdrückt. In einer abenteuerlichen Rettungsaktion gelang es Shackleton, seine gesamte Mannschaft wieder heil in die Heimat zurückzubringen.

Forstner: „Er hat in einer aussichtslosen Situation nicht die Hoffnung und den Mut verloren.“ Die unter widrigsten Umständen gelungene Rettung sei „eine enorme psychische wie physische Leistung“.