“Geschichte kann sich wiederholen” – In einer Gedenkstunde in Nürnberg, der “Reichsparteitagsstadt”, warnte Bayerns Landtagspräsidentin Aigner vor den Folgen einer schwindenden Erinnerungskultur.
Bayerns Landtagspräsidentin Ilse Aigner hat eine Stärkung der Erinnerungskultur für die Opfer der nationalsozialistischen Herrschaft angemahnt. “Die Opfer des Nationalsozialismus – sie sind Teil unserer Identität! Die Millionen Opfer und ihr Schicksal zu vergessen – oder gar zu leugnen – ist Verrat an unserer Heimat”, sagte Aigner laut Mitteilung am Montag in Nürnberg. Sie äußerte sich anlässlich des Jahrestages der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz am 27. Januar 1945. Die Erinnerung an die Verbrechen der Nazis sei “ein Akt der Stärke, des wehrhaften demokratischen Selbstbewusstseins”.
Aigner warnte gleichzeitig, dass sich trotz des Wissens um die NS-Zeit aktuell wieder Rassismus und Antisemitismus, aber auch Sexismus und Homophobie wieder an Bildungseinrichtungen im Land verbreiten könnten. Dagegen müsse der Rechtsstaat sich zur Wehr setzen. “Aufrufe zu Gewalt und Vernichtung dürfen nicht folgenlos bleiben”, forderte Aigner. “Geschichte kann sich doch wiederholen, wenn wir sie nicht aufhalten.”
Die Landtagspräsidentin sprach bei einer Gedenkstunde im Historischen Rathaus von Nürnberg auch vor Holocaustüberlebenden und deren Nachfahren, unter anderem der Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, Charlotte Knobloch, und dem Präsidenten des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster. Als Ort der NSDAP-Reichsparteitage und der Rassegesetze kam Nürnberg im Nationalsozialismus eine hervorgehobene Rolle unter den deutschen Städten. Zu dem Termin hatten der Bayerische Landtag und die Stiftung Bayerische Gedenkstätten eingeladen.