Felix liegt auf einer Decke, ganz dicht an Helga gekuschelt, die sechsjährige Labradorhündin von Ivana Seger. Etwa zehn Minuten scheint sich der 17-jährige Jugendliche im Kinder- und Jugendhospiz Bärenherz in Wiesbaden wohl und entspannt zu fühlen. Schließlich hebt er den Arm und dreht sich ein wenig weg. Für Ivana Seger das Signal, die Hündin wegzurufen. „Jedes Kind braucht etwas anderes“, sagt die Palliativschwester, die seit 13 Jahren mit ausgebildeten Therapiehunden arbeitet.
Therapiehunde spenden Trost in schweren Zeiten
„Emma hilft“ heißt das Therapiebegleithunde-Team in Flörsheim, das Seger vor gut 15 Jahren gegründet hat. Gemeinsam mit ihrer damaligen Hündin Emma hat sie die Ausbildung zur Therapiehundeführerin absolviert und begonnen, mit dem Hund Schwerstkranke und Sterbende sowie auch ihre Familien zu begleiten. Nach Emmas Tod hat zunächst Sissi, dann auch Helga die Aufgabe übernommen. Beide Labradore sind ausgebildete Therapiebegleithunde, sagt Seger.
Seit 13 Jahren kommt Seger einmal in der Woche mit ihren Vierbeinern ins Kinder- und Jugendhospiz Bärenherz. Die helle und die dunkelbraune Hündin dürfen an niemandem hochspringen und auch keine Hände abschlecken, betont sie. Schließlich könne in einer Hand auch eine Braunüle stecken, über die ein junger Patient notwendige Schmerzmittel bekommt.
Therapiehunde bringen Ruhe in unruhige Kinderseelen
Bei dem Kontakt mit dem Tier gehe es vor allem darum, dass Patienten entspannen, egal ob alt oder jung, sagt die Expertin für tiergestützte Therapie, die auch Workshops anbietet. Da jedoch jeder Mensch und jede Krankheit anders seien, müsse sie vor dem ersten Kontakt wissen: „Was ist hier unsere Mission?“ Mitunter treffe sie auf Kinder, die nicht zur Ruhe kommen könnten, immer zappelig seien und viel weinten. Meist helfe es, wenn sie einfach neben einem ihrer Hunde liegen. „Der Hund strahlt so viel Ruhe aus, dass auch das Kind ruhiger wird“, beschreibt die Therapeutin.
„Sissi und Helga spenden Trost, schenken Wärme, bringen Kinder zum Lächeln und helfen dabei, eine heilsame Atmosphäre zu schaffen – fernab von Angst und Schmerz“, formuliert es das Kinder- und Jugendhospiz auf seiner Internetseite.

Seger hatte als Mitarbeiterin auf einer Krankenstation vor mehr 35 Jahren ihre erste Begegnung mit tiergestützter Therapie. Damals sei ein Golden Retriever zu depressiven Menschen gekommen. „Der Hund hat die Stimmung auf der Station völlig verändert“, und zwar positiv, erinnert sie sich. Und auch an ihren damaligen Entschluss: „Das will ich irgendwann auch mal machen.“
Seger betreut mit ihren Hunden fünf Einrichtungen. Davon leben könne sie nicht, sagt sie. Aber der ehrliche Dank einer Mutter, die sehen kann, wie sich ihr Kind entspannt, sei „mit keinem Geld der Welt zu bezahlen“.
Begleiter auf vier Pfoten unterstützen Kinderhospizarbeit
Der Deutsche Hospizverein hat 2006 den Tag der Kinderhospizarbeit am 10. Februar ins Leben gerufen. Mit grünen Bändern machen anlässlich dieses Tages seit 20 Jahren Kinderhospize und ambulante Hospizdienste in Deutschland auf die Situation unheilbar kranker Kinder und Jugendlicher sowie ihrer Familien aufmerksam. Als Zeichen der Verbundenheit sind Bürgerinnen und Bürger aufgerufen, „grüne Bänder der Hoffnung“ an Fenstern, Autos oder Bäumen zu befestigen.
