Kuchen mit Hilfe zur Selbsthilfe

Die Idee des Repair-Cafes ist einfach: Man trinkt Kaffee, plaudert und kann nebenbei kaputte Geräte oder Spielzeug reparieren. Das Ganze geschieht unter fachlicher Anleitung in der Martin-Luther-Kirche in Ahlem.

Von Sabine Dörfel

Hannover-Ahlem. Plötzlich ließ sich die Lampe nicht mehr einschalten. Eva-Maria Heppner musste improvisieren, wenn sie bei ihren Kundinnen Fußnägel feilte oder eine Gesichtsreinigung auf dem Plan stand. Heppner ist Kosmetikerin und braucht ihre LED-Lupenlampe für ihre Arbeit. Nun war guter Rat teuer, denn Elektroreparaturen werden von kleinen Fachgeschäften kaum noch durchgeführt. Von einer Kundin bekam sie den Tipp, es mal im Repair-Café der Martin-Luther-Kirche in Ahlem zu versuchen. So sitzt Heppner gespannt neben Norbert Borgwaldt (65), der behutsam die kleinen Schrauben des Lampenschalters löst. Nach einer knappen halben Stunde ist das Problem behoben, es war ein Defekt in der Stromzufuhr. Heppner packt dankbar ihre Lampe ein, nicht ohne eine Spende in der kleinen Sammelbüchse auf dem Tisch zu hinterlassen.

Die meisten Fehler werden schnell gefunden

Seit rund eineinhalb Jahren sitzt der gelernte Elektro-Diplomingenieur Borgwaldt jeden letzten Donnerstagnachmittag im Monat in den Kirchenräumen der Gemeinde und bietet sein Können Hilfesuchenden an, die mit kleinen oder auch größeren Reparaturwünschen in das Repair-Café kommen. "Wir kriegen hier kaputte Wasserkocher, Küchenwaagen, CD-Player oder Spielgeräte gebracht", erzählt Borgwaldt, "aber wir hatten auch schon mal einen Spiel-Hund, dessen wackelnder Kopf klemmte oder eine alte Elektroeisenbahn, die nicht mehr fahren wollte".
In 70 Prozent aller Fälle könnten sie helfen, ergänzt Borgwaldts Kollege Jürgen Beltermann (63), der gerade die Mikromusikanlage von Matthias Höhne zwischen den Fingern hat. Sie ließ sich nicht mehr einschalten, die Kaufgarantie war gerade abgelaufen. Auch Höhne kann nach kurzer Zeit zufrieden sein Gerät einpacken, der Fehler war schnell gefunden.

Kuchen und Hilfe – das Konzept geht auf

"Wir verstehen uns nicht nur als Reparaturbetrieb, sondern wollen unseren Kunden Mut zur Selbsthilfe machen", sagt der Elektroniker. Das Reparaturteam wird noch von Gisela Höhne ergänzt, die bei allen Problemen rund um das Thema Stricken und Reparatur von Wollsachen hilft. Während die beiden Männer schrauben, strickt sie an einer Jacke. "Kunden, die Tipps zum Stricken haben wollen, kommen wohl eher erst im Herbst", lächelt sie. Beltermann betont, dass auch die persönliche Atmosphäre im Repair-Café wichtig sei, die Gelegenheit, sich zu unterhalten und neue Menschen kennenzulernen. Das Café der Martin-Luther-Gemeinde eignet sich gut dafür. "Als vor rund drei Jahren ein Ahlemer Bürger auf uns zukam und uns die Idee eines Repair-Cafés unterbreitete, haben wir die Chance erkannt, beide Angebote zusammenzulegen", berichtet Pastor Stefan Krause.

Sozialräumlich orientierte Gemeindearbeit

"In das seit sieben Jahren bestehende offene Café kommen viele ältere Bürger, aber auch junge Familien mit Kindern", erzählt er. Besonders ältere Menschen seien an Reparaturen von Geräten interessiert, sie seien es gewohnt, dass Dinge repariert statt weggeworfen und neu gekauft würden. Für sie sei es häufig auch beschwerlich, in die Stadt zu fahren oder sich mit einer Reklamation zu befassen. "Sozialräumlich orientierte Gemeindearbeit" nennt Krause die beiden Café-Angebote. "Wir schauen, was die Menschen im Stadtteil brauchen und das bieten wir an", beschreibt er das Konzept. Es scheint aufzugehen: Teilweise haben sie bis zu acht Besucher während der Öffnungszeit. "Manchmal bekomme ich eine Mail: ‚Alles funktioniert wieder, tausend Dank’", berichtet Beltermann. Am Ende der Café-Zeit packen beide ihr Werkzeug ein, für das Beltermann einen großen roten Einkaufstrolley braucht. In vier Wochen wird der Trolley wieder zum Einsatz kommen.

Das Repair-Cafe der Martin-Luther-Kirche in Ahlem ist jeden letzten Donnerstag von 15 bis 17.30 Uhr geöffnet. Wunstorfer Landstraße 50B.