Krankenhauschef: Gaza-Blockade ist „medizinische Katastrophe“

Der Chef des Auguste-Viktoria-Krankenhauses in Ost-Jerusalem, Fadi Atrash, hat die israelische Blockade des Gaza-Streifens als „medizinische Katastrophe“ angeprangert. Das Abschneiden der Stromverbindungen für Krankenhäuser und Kliniken sowie das Ausbleiben von Medikamenten und Gerät könnten die Ausbreitung gefährlicher Krankheiten beschleunigen, sagte Atrash dem Evangelischen Pressedienst.

„Davon werden Menschen in Gaza betroffen sein und in der ganzen Region“, warnte der Chef des traditionsreichen Krankenhauses, das vom Lutherischen Weltbund betrieben wird. Zudem könne das medizinische Personal dringende Behandlungen wie Chemo-Therapien und Nieren-Dialysen, aber auch einfache Diagnosen kaum noch anbieten.

„Wir vom Auguste-Viktoria-Hospital sind natürlich bereit, den Patienten in Gaza zu helfen, wir können aber nichts tun, weil niemand in das Gaza-Gebiet reinkommt und niemand rauskommt“, hielt Atrash fest. Die Ohnmacht angesichts der Gaza-Blockade durch Israel sei „sehr frustrierend“. Die radikalislamische Hamas, die Gaza beherrscht, hatte am Samstag einen massiven Terrorangriff auf Israel gestartet. Daraufhin riegelte Israels Armee den Gaza-Streifen ab.

Der Chef des Auguste-Viktoria-Krankenhauses berichtete zudem, dass in seiner Einrichtung mehrere Dutzende Krebspatienten aus Gaza festsäßen. Der aktuelle Nahost-Krieg behindere auch die medizinische Versorgung und Behandlung von Patienten in Ost-Jerusalem und im Westjordanland.

Das Auguste-Viktoria-Krankenhaus ist ein medizinisches Kompetenzzentrum, das vor allem Menschen aus den Palästinensergebieten hilft. Zu den spezialisierten Dienstleistungen gehören umfassende Krebs- und Diabetesbehandlungen, Nierenbehandlungen und Langzeitpflege. Das Krankenhaus geht auf den letzten deutschen Kaiser Wilhelm II. zurück und ist nach dessen Ehefrau Auguste Viktoria benannt.