Baden-Württembergs Gesundheitsminister Manfred Lucha (Grüne) sieht im Gegensatz zu Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) keine Notwendigkeit, die telefonische Krankschreibung für Arbeitnehmer abzuschaffen. Es sei eine „bewährte Form“, dass bei einer Vertrauensbeziehung zwischen Ärztin und Patient die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung auch nach einem Telefonat ausgestellt werden könne, sagte Lucha am Dienstag in Stuttgart. Der Minister warf dem Kanzler vor, plakative Aussagen zu treffen, die dann nicht mit Fakten hinterlegt seien.
Merz hatte am Freitag kritisiert, dass deutsche Arbeitnehmer im Durchschnitt fast drei Wochen pro Jahr krank seien. Er forderte Anreize, damit die Menschen ihrer Arbeit nachgingen. Dabei wiederholte er seine Forderung, die Krankschreibung per Telefon zu beenden.
Lucha erinnerte daran, dass man diese Form der Krankschreibung während der Corona-Pandemie eingeführt habe. Bei der Bewertung des Krankenstandes sei zu berücksichtigen, dass die Gesellschaft und damit auch die Arbeitnehmer älter würden, was zu längeren Krankenperioden führe. Zudem steige die Anzahl psychischer Krankheiten, die oft lange Auszeiten nach sich zögen. Der Bundeskanzler suche einen „Sündenbock“, wogegen der Anstieg von Krankheitszeiten ein genaueres Hinschauen erfordere, betonte der Gesundheitsminister. (0144/20.01.2026)