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Kraniche in Sachsen-Anhalt: Von fast verschwunden auf über 1.000

Der Bestand des Kranichs ist in Sachsen-Anhalt im Vorjahr auf rund 1.100 Brutpaare gestiegen. „Wir haben sowohl in Sachsen-Anhalt als auch deutschlandweit seit vielen Jahren kontinuierlich steigende Kranichbestände“, sagte der Leiter der Landesarbeitsgemeinschaft Kranichschutz, Axel Schonert, dem Evangelischen Pressedienst (epd) in Kemberg. Mit Jungtieren seien es 2025 insgesamt rund 2.500 Kraniche gewesen.

In den 1990er Jahre sei der Kranich noch so selten gewesen, dass die wenigen Nester im Norden und Osten des Landes von Naturschützern rund um die Uhr bewacht wurden, sagte Ornithologe Schonert. Auch in Sachsen (etwa 600 Paare) und Thüringen (15 bis 20 Paare) hätte sich der Bestand positiv entwickelt. Bundesweit seien es etwa 12.000 bis 15.000 Paare.

Viele Gewässer in Sachsen-Anhalt seien zudem als Rastplätze auf dem Vogelzug im Herbst gefragt. Neben Kranichen aus Brandenburg und Vorpommern kämen vor allem Vögel aus Polen, Südschweden und dem Baltikum. Mit etwa 65.000 Übernachtungsgästen sei Sachsen-Anhalt ein gefragtes „Transitland“. Einer der beliebtesten Kranich-Rastplätze und zugleich Beobachtungsplätze für Ornithologen ist der Helme-Stausee bei Kelbra südlich des Harzes. „Nirgendwo sonst kann man in Deutschland so dicht an die Tiere herankommen und die rastenden Vögel auch als Laie sehr gut beobachten“, sagte Schonert.

Die meisten ostdeutschen Kraniche würden nicht mehr nach Afrika fliegen, sondern in Zentralspanien überwintern. „Doch aufgrund der Klimaerwärmung kürzen immer mehr Vögel den Zug ab und bleiben in Frankreich“ oder sogar in Deutschland. „Selbst bei uns in Mitteldeutschland bleiben schon Kraniche, da es kaum noch geschlossene Schneedecken gibt“, ergänzte Axel Schonert.

Mitte Oktober hatte es am Helme-Stausee die ersten Fälle von Geflügelpest unter rastenden Kranichen gegeben. Insgesamt haben die Veterinäre vom Landkreis Mansfeld-Südharz mehr als 6.000 verendete Kraniche gezählt. Deutschlandweit waren es sogar 20.000, ganz ähnlich auch in Frankreich.

Doch der Kranichexperte glaubt „nicht, dass es viele Kraniche aus unseren Brutgebieten getroffen hat“. Die zeitliche Abfolge spräche dafür, dass es eher Durchzügler aus den Nachbarländern gewesen seien. „Unsere Kraniche waren gerade abgewandert.“ Doch genau werde man es erst wissen, wenn im Frühjahr die Brutplatzzählung Klarheit bringt.

Die ersten Rückkehrer werden bereits in wenigen Wochen in Sachsen-Anhalt erwartet. „Im Frühjahr haben es die Vögel eilig, um das beste Brutrevier zu belegen“, weiß Ornithologe Schonert. Bevorzugt legen die bis zu 1,3 Meter großen Schreitvögel ihre Nester auf kleinen Inseln oder im Schilf der Flachwasserzonen von Seen, Mooren oder Altarmen der Flüsse an. Mittlerweile gebe es sogar im Harz an kleinen Tümpeln etwa zehn Brutpaare.

Mitte März haben die meisten Kraniche ihr Nest besetzt, Anfang Mai werden die bis zu zwei Jungvögel schlüpfen. Dann seien die Altvögel gefordert, die Jungen vor Raubtieren zu schützen. „Am Ende schaffen es nur etwa 150 Jungvögel von über tausend Nestern im Land“, ergänzt Schonert etwas ernüchtert. Das sei der Lauf der Natur.