Kopie des berühmten „Jesus-Boots“ steht in Vatikanischen Museen

Jesus soll laut der Bibel in einem Fischerboot auf den See Genezareth gefahren sein. Die Vatikanischen Museen zeigen jetzt, wie so ein Boot ausgesehen haben könnte.

Papst Franziskus bekommt allerlei geschenkt. Bücher, Kreuze, Kelche, Vasen – sogar ein Brettspiel für eine Einzelperson war schon unter den Aufmerksamkeiten, die die zahlreichen Gäste im Vatikan bei Audienzen überreichen. Man kann nur spekulieren, wo all diese Mitbringsel landen. Vergangenen März bekam der Papst allerdings ein Geschenk überreicht, das die bisherigen Dimensionen in vielerlei Hinsicht sprengte: Er erhielt eine Nachbildung des berühmten „Jesus-Boots“ im Originalmaßstab.

Das rund neun Meter lange Holzsegelboot steht seit Dienstag in den Vatikanischen Museen. Ein Spezialkran hatte das Werk am Sonntag durch eine enge Öffnung an einer Rolltreppe vorbei an seinen Bestimmungsort gehievt. Jetzt steht es dauerhaft in der Halle, die von den Ticketschaltern in die Päpstliche Kunstsammlung führt. Hier soll das Boot die Besucherinnen und Besucher auf ihrer „Reise“ durchs Museum willkommen heißen.

Das Original wurde 1986 im See Genezareth in Israel gefunden. In diesem besonders trockenen Jahr entdeckten Fischer die antiken Überreste im freigelegten Schlamm des Sees. Wissenschaftliche Untersuchungen bestätigten: Das Boot stammt aus der Zeit Jesu Christi. Bald wurde der Fund in der Presse als „Jesus-Boot“ bekannt. Seine Überreste sind heute im israelischen Museum Yigal Allon in der Nähe des Fundorts ausgestellt.

Unklar ist, ob Jesus und seine Jünger genau in diesem Boot auf den See Genezareth gefahren sind, so wie es das Lukas- und Markusevangelium beschreiben. „Wir haben keine Gewissheit“, sagte der Präsident des Istituto Diplomatico Internazionale, Paolo Giordani, am Dienstag bei der Pressekonferenz. Dennoch habe der Fund aus dem See Genezareth für Katholikinnen und Katholiken eine hohe Bedeutung.

Das „Istituto“, das gute Beziehungen in den Vatikan hat, war an der Umsetzung des Projekts beteiligt. Vor einiger Zeit lernte Giordani den Chef des Neapolitanischen Schifffahrtunternehmens NLG, Maurizio Aponte, kennen. Im Austausch kamen die beiden Männer darauf zu sprechen, dass es im Staat der Vatikanstadt zwar ein offizielles Schiffsregister gibt – allerdings ohne Einträge.

„Da habe ich mich gefragt: Warum können wir nicht eines unserer Schiffe unter der vatikanischen Flagge fahren lassen?“, sagte Aponte. Schnell seien sie sich einig gewesen, dass es ein Schiff mit einer gewissen Symbolkraft sein müsse. So sei die Idee für den Nachbau des „Jesus-Boots“ entstanden.

Erbaut hat die Kopie schlussendlich eine Schiffbauerfamilie aus dem süditalienischen Sorrent. Das Segelboot wurde aus Zedernholz gefertigt, wie Aponte der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) sagte. „Das waren die einzigen Bäume, die zu jener Zeit in diesem Teil der Erde wuchsen.“ In dem Boot stecke so viel authentisches Material wie möglich. So seien etwa die Seile von Hand gefertigt und nur wenige Eisennägel verbaut. Die Arbeiten hätten etwa acht Monate gedauert.

Dem ging laut Vatikanischer Museen ein intensiver Rechercheprozess voran. Von dem originalen „Jesus-Boot“ aus dem See Genezareth wurden 1986 nur noch Überreste des Rumpfes geborgen. Schiffsdarstellungen in antiken Reliefs und Mosaiken aus Ostia und Pompeji hätten Aufschluss über die restlichen Teile gegeben.

Um diese Überreste des historischen Originals hatte es um das Jahr 2000 beinahe einen diplomatischen Eklat gegeben. Gerüchteweise wollte der Vatikan das „Jesus-Boot“ für 2,5 Millionen Mark restaurieren und mehrere Monate in Rom ausstellen, was zu empörten Reaktionen in Israel führte. Die Wogen konnten aber bald geglättet werden. Das „Jesus-Boot“ hat es nie aus Israel heraus geschafft.

Mit der Nachbildung ist der Vatikan nun um ein Ausstellungsstück reicher – und nicht nur das: Im bislang leeren Schiffsregister ist das Stück Handwerkskunst als „Boot Nummer eins“ eingetragen. Dieses Geschenk dürfte der Papst so schnell nicht vergessen.