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Kolumbien: Mindestens fünf Tote bei Offensive von ELN-Guerilla

Mit einem mehrtägigen „bewaffneten Streik“ hat die ELN-Guerilla in Kolumbien in zahlreichen Regionen Gewalt verbreitet und mindestens fünf Menschen getötet. Die Sicherheitsbehörden hätten von Sonntag bis Mittwoch 93 bewaffnete Angriffe in mindestens neun Gebieten des Landes registriert, berichtete die Tageszeitung „El Tiempo“ in der Nacht auf Donnerstag (Ortszeit). Es habe sich unter anderem um Sprengstoffanschläge, Straßensperren, Brandanschläge auf Fahrzeuge und Attacken auf die Infrastruktur sowie Polizei- und Militäreinrichtungen gehandelt.

Laut der Zeitung „El Espectador“ waren 15 Regionen betroffen, und mindestens fünf Menschen kamen bei den Rebellen-Angriffen ums Leben. So seien in der Stadt Cali zwei Polizisten durch einen Sprengsatz getötet worden, im Departement Norte de Santander starb demnach ein Krankenwagenfahrer. Mehrere Zivilisten und Sicherheitskräfte seien verletzt worden. Die Todesfälle zweier Jugendlicher würden noch untersucht. Besonders betroffen waren Regionen im Norden des südamerikanischen Landes.

Die Chefunterhändlerin der Regierung für Friedensverhandlungen mit der Guerilla, Vera Grabe, verurteilte die Aktionen scharf. Die ELN sende ein „paradoxes Signal“ aus, wenn sie die Zivilbevölkerung attackiere und zugleich ihre Dialogbereitschaft betone. Verteidigungsminister Pedro Sánchez bezeichnete die Angriffe als „medial inszenierten Terror“. Präsident Gustavo Petro erklärte, der Staat werde Gewalt insbesondere während der Feiertage nicht tolerieren.

ELN-Chef Antonio García wies einen Abbruch des Friedensprozesses zurück. Die Gespräche sind jedoch seit Januar 2025 ausgesetzt, nachdem die ELN im Nordosten des Landes eine Offensive gestartet hatte.

In Kolumbien herrscht seit den 1960er Jahren ein bewaffneter Konflikt zwischen dem Staat, Guerilla-Gruppen und paramilitärischen Milizen. Dabei sind etwa 300.000 Menschen getötet und rund sieben Millionen zur Flucht gezwungen worden. Die ELN ist nach der Entwaffnung der Farc 2016 mit rund 6.000 Kämpfern die größte noch existierende Guerilla.