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Klanggewaltiger Bayernsound und bühnenreifer Kampf um Demokratie

Mit der Bayerischen Landesausstellung 2026 „Musik in Bayern“ stößt das Haus der Bayerischen Geschichte zum ersten Mal in einen Klang-Kosmos vor. Bei der Schau vom 25. April bis zum 8. November im TonYversum in Freyung soll es eine musikalische Reise durch die Jahrhunderte bis zu den Sounds von heute geben. In den Räumen des Museums in Regensburg wird vom 8. Juli bis zum 7. August 2027 die Bayernausstellung „Brennpunkt Bayern. Hitler und der Kampf um die Demokratie“ gezeigt. Es sind die beiden größten Projekte des Hauses der Bayerischen Geschichte, das 2025 mehr als 318.000 Besucher zählte mit der Landesausstellung „Ludwig I. – Bayerns größter König?“, der Kabinettsausstellung „Sau sticht König“ und der Foyer-Ausstellung „Geschichten aus dem Bayerwald II.“

Auch die Besucherzahlen der Bayernausstellung „Projekt Freiheit – Memmingen 1525“ seien ein „absoluter Erfolg“ gewesen, sagte Museumsdirektor Richard Loibl am Donnerstag in Regensburg bei einer Online-Pressekonferenz. Mehr als 53.000 Besucher interessierten sich für die vor 500 Jahren in Memmingen verfassten Zwölf Artikel.

Was ist typisch bayerische Musik? Und was trägt Bayern musikalisch in die Welt hinaus? Die diesjährige Landesausstellung soll Antworten geben und vor allem Töne hören lassen: „Vom Klang eines Wassertropfens über gregorianische Choräle, höfische Opern, den Traditionen der Volksmusik bis hin zu Schlager, Rock, Pop, Rap und Techno in der Jetztzeit“, erläuterte Projektleiter Peter Wolf.

Mit einer klanggewaltigen „Filmstory von Menschen aus dem Bayerischen Wald und Bayern“ geht es los: Im Kino neben dem TonYversum würden ihre Schicksale gezeigt, ihre Musik und Instrumente über Generationen hinweg und wie sie miteinander verwoben waren. „Es wird kein Wort gesprochen, erzählt wird über die Musik“, sagte der Projektleiter. Über eine „Klangbrücke“ gelangten die Besucherinnen und Besucher vom Kino hinein in das „bayerische Musikspektakel“. Eine multimediale Bühnenshow samt extra komponierten Soundtracks präsentiere einen „theatralischen Festzug“ musizierender Menschen.

Auch die großen Sängerfeste in Nürnberg und die Bayreuther Festspiele spielen eine Rolle. Auf den Wirtshausbühnen in München sorgten um 1900 Volkssängerinnen und Volkssänger für Furore. Zum Markenzeichen Bayerns entwickelte sich auch die politische Volksmusik. In der Nachkriegszeit brachten US-amerikanische Soldaten Jazz und Swing über den Atlantik, und Rock und Pop eroberten Radio, TV und die großen Bühnen.

Zu den Ausstellungsstücken gehören Tonträger wie Grammofon, Jukebox und Plattenspieler, aber auch namhafte Partituren oder das erste Metronom, das von Johann Nepomuk Mälzel in Regensburg erfunden wurde. Zum Tragen kommen sollen auch die Klangräume von Kirchen und Klöstern mit ihren Orgeln und Glocken. Das Finale bildet ein Klangzylinder mit Variationen der Ausstellungsmusik.

Von der bayerischen Musik zum Brennpunkt Bayern in den 1920er Jahren geht es beim zweiten Höhepunkt des Ausstellungsjahres: Die diesjährige Bayernausstellung beleuchtet die Rolle Bayerns im Kampf für und gegen die junge Demokratie der Weimarer Republik. Bayern entwickelte sich dabei zum Brennpunkt, sagte Projektleiter Marc Spohr. In Bayern erringen die Nationalsozialisten erste Erfolge, scheitern aber im November 1923 mit dem Putschversuch. Die bayerische Justiz lässt die Rädelsführer glimpflich davonkommen. „Dadurch konnte sich Hitler von der Zuschauer- in die Statisten- und schließlich in die Hauptrolle drängen“, sagte Spohr.

Einblicke in die bürgerlichen Salons enthüllen erstmals auch die Netzwerke der Rechtsextremisten. Für die neuesten Erkenntnisse arbeitete das Regensburger Team mit Forschern aus Niederösterreich zusammen. In fünf Bühnenbildern werden die zentralen Protagonisten und ihre Radikalisierung beleuchtet. Sie sollen Antworten geben auf die Fragen: „Wer gefährdet die Demokratie? Wer wird von der Bühne verdrängt und wer agiert im Hintergrund?“, erläuterte Spohr. (0208/22.01.2026)