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Kirchen in Hessen: Weihnachten ist Fest der Hoffnung und Nächstenliebe

Hoffnung in dunklen Zeiten – so charakterisieren die großen Kirchen in Hessen die christliche Weihnachtsbotschaft. Und rufen zu Empathie und Umweltschutz auf.

Die Kirchen in Hessen haben an Weihnachten zu solidarischem Miteinander aufgerufen und sich gegen Abschottung und Egoismus gewandt. “Wer Weihnachten feiert, erkennt auch den tieferen Sinn christlicher Nächstenliebe”, betonte Bischof Peter Kohlgraf im Mainzer Dom. Bischöfin Beate Hofmann sagte in Kassel, Weihnachten sei eine Einladung, Gott neu zu entdecken und sein Wirken in der Gegenwart zu erleben.

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Georg Bätzing, wandte sich in seiner Weihnachtspredigt im Limburger Dom gegen ein egoistisches Wir-zuerst-Denken. Vielmehr brauche es Solidarität und gemeinsame Verantwortungsübernahme. Nur so könnten die drängenden Zukunftsfragen bewältigt werden.

Bätzing verwies auf Umwelt- und Klimaschutz, auf die Debatten über einen zukunftsfesten Sozialstaat und die Sicherung der Demokratie. “Glauben wir ernsthaft, wir könnten Demokratie und Zusammenhalt hierzulande stärken, ohne unseren Sozialstaat zukunftsfähig zu machen, der darauf basiert, dass die Generationen füreinander einstehen?”, fragte Bätzing.

Eindringlich rief der Limburger Bischof zu mehr Anstrengungen beim Klimaschutz auf. “Wir versündigen uns an den Lebenschancen künftiger Generationen, wenn wir nicht jetzt den Herausforderungen des Klimawandels mit großer Konsequenz und persönlicher Veränderungsbereitschaft begegnen.”

Christen seien davon überzeugt, dass Gott die Welt zum Guten wenden wolle. Die Geburt Jesu in Bethlehem habe die “Geschicke der Menschheit in neue Bahnen gelenkt”, sagte Bätzing. “Dieses Ereignis wirkt und berührt die Menschen nun schon seit so langer Zeit, als wäre es heute.”

Der Fuldaer Bischof Michael Gerber beschrieb die christliche Weihnachtsbotschaft als Zuwendung Gottes zu jedem Menschen – unabhängig von seinen Leistungen oder Fähigkeiten. Weihnachten erzähle von einem neuen Anfang für die Menschheit, sagte Gerber an Heiligabend im Fuldaer Dom. Gottes Zusage und damit der Kern von Weihnachten sei: “Mensch, Du bist geliebt und gewollt. Nicht, weil Du irgendetwas Besonderes leistest, nicht, weil Du etwas Besonderes vorzuweisen hast. Du bist geliebt, weil Du Mensch bist.”

Gerber, der nach einer Krebsdiagnose und erfolgreicher Behandlung in den Weihnachtsgottesdiensten erstmals wieder öffentlich auftrat, sprach auch von seiner Erkrankung. Nach der Diagnose im Sommer habe er sich gefühlt, als ob sich eine dicke Eisschicht über sein Leben gelegt habe. Die danach erhaltenen Zuwendungen in Briefen, Mails oder Whatsapp-Nachrichten habe er als große Ermutigung erlebt.

Statt Egoismus brauche es Mitgefühl, sagte Gerber. “Empathie ist im Licht von Weihnachten keine Schwäche, sondern die entscheidende Stärke des Menschen.” Damit stehe die christliche Botschaft im genauen Gegensatz zu dem, was US-Tech-Milliardär gesagt habe, wonach Empathie die entscheidende Schwäche der westlichen Gesellschaft sei.

Bischof Kohlgraf rief am ersten Weihnachtsfeiertag dazu auf, den Sinn des Lebens in kleinen Alltagsaufgaben statt im Großen und Komplizierten zu suchen. Der Glaube an Gott als “liebenden Sinn” des Lebens könne Menschen in schweren Zeiten helfen. “Er lässt mich auch Zweifel und Fragen aushalten”, erklärte Kohlgraf. Gläubige Menschen trügen keine rosarote Brille – Lüge und Hass, Krankheit und Tod würden gesehen. Doch gelte die Überzeugung, dass “das Gute stärker ist als das Böse”.

Die Bischöfin der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck, Beate Hofmann, lud dazu ein, trotz aller Widrigkeiten auf das Wirken Gottes zu setzen. “Wir leben in einer Zeit, in der immer weniger Menschen Gott die Ehre geben. Sie halten das für verzichtbar”, sagte Hofmann. Die Sehnsucht nach Frieden wachse. Man lebe “in einer Zeit wachsender Kriegsgefahr auch bei uns”, betonte Hofmann. Das mache vielen Menschen Angst. Die Diskussionen um Wehrpflicht und Zivilschutz ließen die Bedrohung spürbar werden.

In diese Unruhe und Angst hinein erklinge heute wie vor 2.000 Jahren “der Weihnachtsruf der Engel: Ehre sei Gott in der Höhe und Frieden auf Erden”. Dieser Ruf sei “eine Einladung, Gott neu zu entdecken und sein Wirken unter uns zu erleben”, sagte die Bischöfin.

Die Kirchenpräsidentin der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau, Christiane Tietz, charakterisierte Weihnachten als Fest der Hoffnung: “Hoffnung ist eine Kraft im Dunkeln. Hoffnung entsteht durch das Vertrauen, dass Gott uns nicht allein lässt.” Diese Hoffnung gebe die Kraft, gegen das Dunkel zu arbeiten. “Unsere Zeit ist für viele Menschen dunkel und schwierig”, betonte Tietz. Jetzt brauche man die Weihnachtsbotschaft, dass Gott auch in dunklen Zeiten da sei und das Licht in der Finsternis ganz besonders scheine.