Leitende Geistliche der evangelischen und katholischen Kirche in Rheinland-Pfalz und Hessen haben an Weihnachten zum Zusammenhalt aufgerufen. Die pfälzische Kirchenpräsidentin Dorothee Wüst bezeichnete in der Speyerer Gedächtniskirche Weihnachten als „eine Art Trotzreaktion der Hoffnung“. Mit Weihnachten komme ein Licht in die Welt, das die Schatten des Leids durchbreche.
Der katholische Speyerer Bischof Karl-Heinz Wiesemann rief im Speyerer Dom dazu auf, sich für ein gutes Miteinander in der Gesellschaft einzusetzen. „Ja, wir müssen aufwachen und die humanitäre Vision unserer freiheitlich-demokratischen Gesellschaft in Stolz und Würde verteidigen“, sagte Wiesemann. Dies müsse „mit genau den Mitteln“ geschehen, „die unsere Gesellschaft human und unser Miteinander solidarisch machen“.
Die Liebe sei der Sinn des Lebens und gebe Hoffnung für die Welt, hob der katholische Mainzer Bischof Peter Kohlgraf im Mainzer Dom hervor. „Wer sich geliebt weiß, wird nie sagen können: Es ist alles schlecht, absurd und sinnlos.“ Trotz der Erfahrung auch des Bösen, der Lüge, des Hasses und von Krankheit und Tod sei er überzeugt, „dass das Gute stärker ist als das Böse“, sagte Kohlgraf.
Der rheinische Präses Thorsten Latzel betonte in Düsseldorf: „Weihnachten ist Mut-Zeit!“ Die Botschaft der Engel in der Weihnachtsgeschichte „Fürchtet euch nicht!“ widerspreche der Selbstsucht der Autokraten und der Angstmacherei von politischen Extremisten. Damals seien es Augustus und Herodes gewesen, heute Putin, Trump oder Xi Jinping.
Der katholische Trierer Bischof Stephan Ackermann regte im Trierer Dom dazu an, das Staunen nicht zu verlernen. Staunen sei auch „ein wichtiges Gegenmittel gegen das, was uns oft genug im Alltag überkommt: Erschrecken“, sagte Ackermann. Staunen meine „eine Begeisterung und eine Bewunderung, die weit über ein schlichtes Sich-Wundern“ hinausgehe.
Mit der Geburt Jesu „kommen Hoffnung und Licht in diese Welt“, sagte die Bischöfin der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck, Beate Hofmann, in Kassel. Es beginne ein neues Miteinander, eine Haltung „radikaler Liebe“. Gott komme, um mittendrin zu sein in dem, was das Leben anstrengend und schwer macht. Daran erinnere sie auch angesichts der „Hartherzigkeit“ europäischer Migrationspolitik, sagte die Bischöfin.
Der katholische Limburger Bischof Georg Bätzing rief zu Solidarität mit den Schwachen und Generationengerechtigkeit auf. Er sehe die um sich greifenden Tendenzen der Abschottung kritisch, sagte der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz im Limburger Dom. Der Sozialstaat lebe davon, „dass die Generationen füreinander einstehen und die Gesunden für die Kranken, die Starken für die Schwachen“.
Aus dem Vertrauen auf die Weihnachtsbotschaft erwachse Hoffnung, die Kraft gebe, gegen das Dunkel zu arbeiten, sagte die hessen-nassauische Kirchenpräsidentin Christiane Tietz in Darmstadt: „Hoffnung macht aus unserer Sehnsucht nach einer helleren Welt Tatkraft.“
Der katholische Fuldaer Bischof Michael Gerber nannte im Fuldaer Dom das Mitgefühl die entscheidende Stärke des Menschen. Er widersprach dem US-amerikanischen Milliardär Elon Musk, der die Empathie als fundamentale Schwäche der westlichen Zivilisation bezeichnet hatte. Die Menschwerdung geschehe dort, wo sich Menschen wechselseitig wahrnehmen und ernst nehmen, sagte der Bischof.