Die Einführung der Ganztagsschule wird weitreichende Folgen für die Arbeit der Kirchengemeinden haben. „Wir stellen Überlegungen an, wie wir uns in den Ganztagsbereich einbringen können“, sagt Michaela Veit-Engelmann, die in der Bildungsabteilung der Landeskirche Hannovers arbeitet. Das reiche von kirchenmusikalischen bis zu religionspädagogischen Angeboten wie die Konfirmandenarbeit mit Grundschülern.
Die Landeskirche will vorbereitet sein. Denn ab dem Sommer werden die Grundschüler in Niedersachsen viel mehr Zeit an ihren Schulen verbringen. Insgesamt haben sie Anspruch auf acht Stunden Unterricht und Betreuung. Die Landeskirche erarbeitet deshalb eine Handreichung, damit sich Kirchengemeinden besser auf die Änderung einstellen können.
Der neue Rechtsanspruch auf einen Ganztagsplatz, der zunächst für die Erstklässler und später auch für die älteren Jahrgänge an den Grundschulen umgesetzt werden soll, betreffe selbst die Ferienzeiten, erklärt Veit-Engelmann. „Kommunen müssen eine kostenlose Betreuung in fast allen Ferienwochen sicherstellen.“ Hier stelle sich die Frage, wie kirchliche Angebote als Teil des Ganztags in den Ferien vorkommen können. Als Beispiel nennt sie Kinder- und Jugendfreizeiten. „Ganztagsangebote in den Ferien müssen zukünftig für die Teilnehmenden kostenlos sein, Freizeiten sind es oft nicht.“
„Große Chance für die Kirche“
Wie die Kirche zu einem erfolgreichen Anbieter im Bereich Ganztagsschule werden kann, macht der Kirchenkreis Wolfsburg-Wittingen vor. „Seit 2009 sind wir Bildungspartner der Stadt Wolfsburg an fünf der 22 Grundschulen“, sagt Dominik Hölscher, der den Bereich Ganztagsschulen im Kirchenkreis verantwortet. 70 gut ausgebildete Mitarbeitende gebe es, die den Grundschülern nach dem Unterricht eine umfangreiche professionelle Betreuung anbieten. Das reiche von Spiel und Spaß, kreativen und sozialen Angeboten bis zum Training bei Konflikten. Die Arbeit habe ein klares evangelisches Profil, betont Hölscher. „Wir leben Nächstenliebe, soziale Gerechtigkeit und Vergebung vor.“
Die Kirche ist ein gern gesehener Partner. Für den Propst des Kirchenkreises Wolfsburg-Wittingen geht es nicht so sehr um Verkündigung, sondern vor allem um gesellschaftliche Verantwortung. „Es ist ein niedrigschwelliges Angebot. Wir beten nicht die ganze Zeit“, sagt Christian Berndt.
Das Beispiel der Stadt Wolfsburg, die erhebliche finanzielle Mittel investiere, eigne sich jedoch nicht als Blaupause für ganz Niedersachsen, schränkt Veit-Engelmann ein. Trotzdem sieht sie es als große Chance für die Kirche, sich an Angeboten im Ganztag zu beteiligen. „Dann gehen wir dahin, wo die Kinder ihren Alltag verbringen, und laden sie dazu ein, sich mit Lebens- und Sinnfragen auseinanderzusetzen.“
