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KI-Gedenkstätte “Holo-Voices” bewahrt Stimmen von NS-Zeitzeugen

Hightech gegen das Vergessen: Die neue Gedenkstätte “Holo-Voices” in Essen setzt auf KI statt Texttafeln und ermöglicht eine digitale Unterhaltung mit Zeitzeugen des Holocaust.

Besucher der Gedenkstätte “Holo-Voices” in Essen können sich dank moderner Technik auch in Zukunft mit Holocaustüberlebenden unterhalten. Möglich wird das durch holografische Darstellungen von Zeitzeugen, die über KI interaktiv auf Besucher reagieren. Das teilte das Kultusministerium zur Eröffnung am Dienstag anlässlich des internationalen Holocaustgedenktages mit. An der Veranstaltung nahmen unter anderem NRW-Kultusministerin Ina Brandes (CDU) und die Zeitzeugin Eva Weyl (90) teil.

Das Projekt auf der Unesco-Welterbestätte Zeche Zollverein ist laut Ministerium in Zusammenarbeit mit der Technischen Universität Dortmund entstanden. Grundlage der KI-Antworten der Hologramme seien Interviews mit den Zeitzeugen. Bei Fragen an die digitalisierten Überlebenden ermittle die KI über Schlüsselbegriffe passende Antworten. “Die Antworten der Holocaustüberlebenden werden nicht verfremdet, zusammengeführt, gekürzt oder ergänzt”, so das Ministerium.

Kultusministerin Brandes erklärte, die Eindrücke einer persönlichen Begegnung mit Zeitzeugen seien unersetzlich. “Gleichwohl sind viele der Holocaustüberlebenden 90 Jahre und älter. Sie werden uns ihre Geschichte nicht mehr lange erzählen können”, sagte Brandes. Holo-Voices sei daher eine Möglichkeit, auch in Zukunft mit ihnen in Dialog zu treten – auch um daraus heute zu lernen.

Die Zeitzeugin Weyl sprach vor allem junge Menschen an: “Ihr müsst die Vergangenheit kennen, um zu helfen, dass der Frieden bewahrt bleibt.” Die Jugend müsse mithelfen, gegen Intoleranz, Respektlosigkeit und Entwürdigung. “Und sprecht über das, was ihr bei Holo-Voices erfahrt. Erzählt es Euren Eltern, sprecht zu Hause darüber – und seid menschlich”, so die Überlebende. Wie das Ministerium mitteilte, wurde Weyl 1942 ins Lager Westerbork verschleppt, einer Durchgangsstation zu Vernichtungslagern wie Auschwitz-Birkenau, bis sie 1945 von kanadischen Soldaten befreit wurde.