Für manche Bischöfe war der katholische Reformdialog Synodaler Weg von Beginn an eine Zumutung: Erstmals wurden innerkirchliche Machtfragen öffentlich und unter Beteiligung von Laien verhandelt. Die Kirchenbasis durfte nicht nur mitreden, sondern auch abstimmen über notwendige Veränderungen in der Kirche angesichts von Missbrauchskrise und Mitgliederschwund.
In Stuttgart tritt die Synodalversammlung vom 29. bis 31. Januar satzungsgemäß nun ein letztes Mal zusammen, um die Umsetzung der Beschlüsse zu evaluieren. Nicht nur die kommunikative Struktur als Forum, sondern auch kirchenrechtlich war der Reformdialog ein Novum und weckte von Beginn an das Misstrauen des Vatikans.
Katholischer Reformprozess: Wege aus der kirchlichen Krise
Die Mitglieder der katholischen Deutschen Bischofskonferenz hatten zusammen mit dem Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) 2019 ein gemeinsames Dialogformat vereinbart, um Wege aus der Krise zu finden. Der Synodale Weg sollte Reformvorschläge erarbeiten, wie Bischöfe ihre Macht besser teilen, Laien an Entscheidungen beteiligt und Frauen sowie queere Menschen weniger diskriminiert werden können.
Die Ursachen für das institutionelle Versagen der Kirche im Umgang mit sexualisierter Gewalt zu beseitigen, waren der Treibstoff für die Idee: Die Machtstrukturen begünstigen sexualisierte Gewalt. Genau das hatten die Autoren der katholischen Missbrauchsstudie 2018 bescheinigt: Machtkonzentration, rigide Sexualmoral und klerikale Abschottung wirkten fördernd auf Missbrauch und Vertuschung. Die Dimensionen werden bis heute durch immer neue Studien erforscht.

Zu Beginn des Synodalen Wegs leugnete noch manch ein Bischof den Zusammenhang zwischen kirchlichen Machtstrukturen und Missbrauch. Jede der zahlreichen seither veröffentlichten Missbrauchsstudien zeigte ihn neu auf. Die Studien belasteten auch führende Kirchenvertreter schwer: den früheren Münchner Erzbischof und späteren Papst Benedikt XVI., Joseph Ratzinger, den langjährigen Vorsitzenden der Bischofskonferenz, Karl Lehmann, sowie dessen Nachfolger Robert Zollitsch.
Synodaler Weg soll Glaubwürdigkeit stärken
Angesichts des Vertrauensverlusts war das zweite Motiv für den Synodalen Weg, die Glaubwürdigkeit der Kirche in der Öffentlichkeit wiederherzustellen. Die bis März 2023 verabschiedeten 15 Texte zeigen, dass es bei Reformen vor allem um einen Haltungswechsel geht – etwa bei Fragen der Sexualmoral oder der Beteiligung von Frauen. Vieles kann ohnehin nur das Kirchenoberhaupt in Rom entscheiden, wie etwa eine Lockerung des Zölibats oder die Zulassung von Frauen zu Weiheämtern und damit zur vollen Teilhabe an der Macht.
Der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Georg Bätzing, der kurz vor der letzten Tagung des Synodalen Wegs seinen Verzicht auf eine zweite Amtszeit erklärte, nennt die Frauenfrage eine der entscheidenden Fragen für die Zukunft der Kirche. Denn angesichts des Trends zur Säkularisierung fragte Bätzing schon vor Jahren, wie viel Zeit der Kirche noch bleibe, um überhaupt noch Menschen von sich zu überzeugen.
Katholischer Reformprozess und die Debatte um die Priesterheirat
Die aktuelle Kirchenmitgliedschaftsuntersuchung von 2023 zeigt, dass eine deutliche Mehrheit der Katholikinnen und Katholiken Reformen befürwortet. 95 Prozent der katholischen Befragten sprachen sich bei der episodisch angelegten, religionssoziologischen Untersuchung für die Möglichkeit zur Heirat von Priestern aus.
Doch von Beginn an drohte der Synodale Weg zwischen den Lagern zerrieben zu werden: Während eine laute konservative Minderheit Reformen blockierte und die althergebrachten Lehrmeinungen etwa zu Ehe und Familie verteidigte, wollte ein progressiver Flügel deutlich weitergehende Schritte. Ein Balanceakt für die Moderatoren, zu denen auch Bätzing gehört.

Kurz vor dem Scheitern stand der Prozess, nachdem einige Bischöfe mit ihrer Sperrminorität einen Text zur Veränderung der Sexualethik durchfallen ließen. In dem Papier stehen Forderungen wie die, Homosexualität nicht mehr als Sünde zu betrachten und die Diskriminierung von wiederverheirateten Paaren zu beenden. Auch wenn der Text scheiterte, gab es dennoch Veränderungen. Die Segnung von jeglichen Paaren, die sich lieben, ist – mit Akzeptanz des Vatikans – nun in einigen deutschen Bistümern möglich.
Reformprozess: Bischöfe ziehen sich aus Streit um Gremium zurück
Doch an anderer Stelle belastete Widerstand aus dem Vatikan den Prozess. Im Streit um ein dauerhaftes synodales Gremium zogen sich vier Bischöfe zurück. Dem Heiligen Stuhl war wichtig, dass ein solches Organ weder ohne Zustimmung des Vatikan entstehen noch die bischöfliche Autorität beschneiden dürfe – etwas, das ohnehin nicht beabsichtigt war. Noch in diesem Jahr soll aber – ebenfalls mit römischer Zustimmung – eine neue Synodalkonferenz erstmals tagen, in der Laien und Bischöfe beraten und Beschlüsse fassen.
