Außenstehende mag es verwirren: Der Synodale Weg geht zu Ende und doch weiter – in einer anderen Form. Bischöfe und Laien wollen auch künfitg gemeinsam über den Kurs der katholischen Kirche in Deutschland beraten.
Nach rund sechs Jahren biegt der Synodale Weg auf die Zielgerade ein. Die bis Samstag dauernde letzte Vollversammlung in Stuttgart sei jedoch kein Finale des Dialogs zu Reformen in der katholischen Kirche in Deutschland, sondern lediglich das Ende einer Etappe auf einem längeren Weg, sagte die Generalsekretärin der Deutschen Bischofskonferenz, Beate Gilles, am Freitag. Zuvor hatten die anwesenden 177 Synodalen eine Bilanz des Projekts gezogen, das die Bischöfe zusammen mit dem Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) 2019 unter dem Eindruck des Missbrauchsskandals gestartet hatten.
Dabei fiel das Echo gemischt aus. Johannes Norpoth, Mitglied im Betroffenenbeirat bei der Deutschen Bischofskonferenz, hob hervor, dass die Kirche mehr tue, um sexuellem Missbrauch vorzubeugen. Doch sie sei immer noch von einer “wirklich betroffenenorientierten inneren Haltung” entfernt. Kritisch äußerte sich Norpoth zudem über das von der Kirche verantwortete System der Anerkennungsleistungen. Es sei unzureichend und berge die Gefahr einer Retraumatisierung der Betroffenen.
Defizite erkennen Befürworter von Reformen in der Kirche auch bei Fragen der verpflichtenden Ehelosigkeit von Priestern, dem Umgang mit Homosexualität oder der Beteiligung von Frauen an verantwortlichen Stellen. Mehrere Teilnehmer warnten, dass der Frust bei vielen Katholiken wachse. Sie beklagten einen mangelnden politischen Willen bei den Verantwortlichen in den Bistümern, die bisherigen Beschlüsse des Reformdialogs umzusetzen. Die Zeit laufe davon, mahnte die Ordensfrau Katharina Kluitmann. “Es brennt die Hütte”, sagte der Stuttgarter Stadtdekan Christian Hermes.
Zugleich bekräftigten Bischöfe und Laien, ihre Beratungen fortsetzen zu wollen. Das soll ab Herbst in einem neuen Gremium, der Synodalkonferenz, geschehen. Dazu bedarf es allerdings noch einer Zustimmung der Bischöfe und des Vatikans. Der Essener Bischof Franz-Josef Overbeck zeigte sich im Gespräch mit der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) zuversichtlich, “dass Rom die Satzung der künftigen Synodalkonferenz für die Kirche in Deutschland genehmigen wird”. Er werde in wenigen Wochen nach Rom reisen, um die Anerkennung des Gremiums in einem abschließenden Klärungsgespräch vorzubereiten.
Generalsekretärin Gilles hob in Stuttgart noch einmal hervor, dass sich die von Papst Franziskus angestoßene Weltsynode und der Synodale Weg nicht widersprächen. Es handle sich vielmehr um “zwei vielleicht sehr unterschiedlich gestartete Wege, aber sie passen sehr gut zusammen”. Mit Blick auf die mitunter zutage getretenen Differenzen zwischen dem Vatikan und deutschen Kirchenvertretern sprach sie von produktiven Spannungen.
Zum Abschluss ihrer letzten Synodalversammlung wollen die Teilnehmer am Samstag eine abschließende Erklärung verabschieden.