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Karfreitag ist für Theologin Bornowski Tag des “stummen Entsetzens”

Der Karfreitag ist für die Ansbach-Würzburger Regionalbischöfin Gisela Bornowski ein Tag des stummen Entsetzens und der stummen Ratlosigkeit. Der Evangelist Matthäus beschreibe die Kreuzigung auf dem Hügel Golgatha zwar nicht als Stille, aber als Schweigen, sagte Bornowski in ihrer Karfreitagspredigt in der Ansbacher St. Gumbertuskirche: „Es wird viel gehöhnt, gespottet, gelacht.“ Jesus aber schweige zu all den Beschimpfungen und Provokationen. „Und das Schlimmste ist, dass Gott selbst schweigt.“

Matthäus erzähle die Geschichte von der Kreuzigung Jesu wohl deshalb so, „weil viele dieses Schweigen kennen angesichts des Todes und der Not“, erläuterte die evangelische Theologin: „Wenn wir sprachlos die schrecklichen Nachrichten sehen aus Israel“ nach dem Hamas-Terrorangriff, aus dem Gazastreifen, wo die Tore für humanitäre Hilfe versperrt seien, im Jemen, wo Tausende Kinder verhungern oder „wenn wieder Bomben in der Ukraine einschlagen, ganz egal, ob es ein Krankenhaus ist oder eine Schule“.

Auch Jesus habe sich von Gott verlassen gefühlt, als er in der neunten Stunde der Kreuzigung „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“ gesagt habe. Gottverlassenheit sei etwas Furchtbares – aber viele Menschen fühlten genau dies, sagte Bornowski. Aber: „Selbst, wenn wir an Gottes Nähe zweifeln und an seinem Schweigen verzweifeln, bleibt er Herr über Himmel und Erde.“ Dies gelte es an Karfreitag auszuhalten: „Aus Respekt vor Gott und den vielen, die immer noch leiden und sterben.“ (00/1033/29.03.2024)