Krieg und Gewalt können nach den Worten des Kölner Erzbischofs Rainer Maria Woelki niemals mit einem vermeintlichen Willen Gottes gerechtfertigt werden. „So etwas wie ‘Heiliger Krieg’ – verstanden als Durchsetzung religiöser Vorstellungen durch Gewalt – ist eine Perversion“, sagte Woelki am Donnerstag in einem Gottesdienst zum katholischen Weltfriedenstag mit Soldaten mehrerer Nationen im Köln Dom. Diese Perversion werde leider immer noch viel zu oft zur moralischen Begründung von Krieg, Zerstörung, Vertreibung und Gewalt herangezogen.
„Ebenso frevelhaft ist eine religiöse Überhöhung oder Begründung von kriegerischer Aggression, wie wir es beispielsweise seit fast vier Jahren im Zusammenhang mit dem Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine erleben“, sagte der Kardinal laut Redetext. Der Russisch-Orthodoxen Kirche unter Patriarch Kyrill wird vorgeworfen, den Krieg des russischen Präsidenten Wladimir Putin gegen die Ukraine religiös zu legitimieren.
Gewalt sei zwar niemals im Sinne Gottes, gegen ungerechte Aggression seien aber Widerstand und militärische Verteidigung zulässig, betonte Woelki. „Es gibt Umstände, in denen es geboten sein kann, das eigene Leben oder das anderer auch militärisch zu verteidigen und zu schützen.“
Gleichwohl seien alle Christen berufen, immer und überall Friedensbringer zu sein, „auch und gerade die in Uniform“, sagte Woelki. Frieden beginne im eigenen Herzen: „Er beginnt mit der Bereitschaft, dem Anderen mit Respekt, Mitgefühl und der Bereitschaft zur Versöhnung zu begegnen.“