Jubiläum auf zwei Rädern

Zu Pfingsten 2012 fing alles an. Zehn Jahre später ist der Radsportgottesdienst im ländlichen Hamburger Stadtteil Neuengamme etabliert. Zum Jubiläum gibt’s für Rad-Fans ein besonderes Geschenk.

Burkhard hat sein Rad an eine Service-Station angeschlossen, direkt an der Kirche
Burkhard hat sein Rad an eine Service-Station angeschlossen, direkt an der Kirche

Hamburg-Neuengamme. Der große Mogo stand Pate. Der Motorradgottesdienst im Hamburger Michel gefiel Hans-Joachim Burkhardt schon länger, als er 2012 die Initiative startete, eine kirchliche Veranstaltung für Radfahrer in Hamburg-Neuengamme anzubieten. Bei seiner Gemeinde stieß der Prädikant damit auf offene Ohren – und so feierte der Radsportgottesdienst (Rago) vor zehn Jahren seine Premiere in St. Johannis Neuengamme.

Schon zur ersten Auflage kamen etwa 100 Besucher, die erst gemeinsam einen Gottesdienst feierten und sich dann aufs Rad schwangen. Jetzt feiert der Rago seinen zehnten Geburtstag. Am Pfingstmontag, 6. Juni, um 11 Uhr lädt die Gemeinde in ihre Kirche ein. Damit nimmt der Rago wieder Fahrt auf, denn in den vergangenen beiden Jahren fand er wegen der Pandemie nur eingeschränkt statt – nämlich ohne die beliebten Touren nach dem Gottesdienst. Umso gespannter ist Burkhardt, wie viele Leute den Weg nach Neuengamme finden werden.

Einfach zu merken

Beim Termin am Pfingstmontag ist es schon seit der Premiere geblieben. „So kann man sich den Termin leicht merken“, sagt Burkhardt, der noch einen zweiten Vorteil nennt. Schilder und Flyer müssten nicht neu gemacht werden. Dort steht seit vielen Jahren „Pfingstmontag, 11 Uhr“.

St. Johannis in Hamburg-Neuengamme ist eine offen Kirche Foto: Marieke Lohse
St. Johannis in Hamburg-Neuengamme ist eine offen Kirche Foto: Marieke Lohse

Wer kommt, den erwartet das traditionelle Rago-Programm. Den Gottesdienst in der Kirche hält Prädikant Burkhardt, der auch predigen wird. Anschließend müssen sich die Besucher für eine der drei Touren entscheiden: für die gemütliche Variante mit 15 Kilometern, die etwas anspruchsvollere Tour mit 30 Kilometern oder die Strecke für erfahrene Radsportler, auf der gleich 50 Kilometer zurückgelegt werden. Anschließend trifft sich die gesamte Rago-Gemeinde um etwa 14 Uhr wieder zu einem Fest am Gemeindehaus. Es gibt Kaffee und Kuchen sowie Essen vom Grill, und zwar Würstchen, Fleisch und Kartoffelpuffer.

Zur zehnten Auflage im vergangenen Jahr wollte die Gemeinden den Radfahrern ein besonderes Geschenk machen: Während des Gottesdienstes wurde die Kollekte für eine Service-Station an der Johanniskirche gesammelt. 150 Euro kamen zusammen, 850 Euro bezahlte die Gemeinde aus eigener Tasche. Direkt an der Kirche steht jetzt eine Station, wo Radler Luft pumpen oder ihr Rad reparieren können. Die Station sei sehr gut ausgerüstet, sagt Prädikant Burkhardt. Der Standort für die Station ist gut gewählt, denn die Kirche liegt an einem sieben Kilometer langen Radweg, der von Bergedorf zur Elbe führt.

Was die Gegend auszeichnet

Die Neuengammer Johanniskirche firmiert seit dem vergangenen Jahr übrigens als Radwegekirche der Evangelischen Kirche in Deutschland – und ist online zu finden. Dafür musste St. Johannis zwei Kriterien erfüllen: Die Kirche muss an einem Radwanderweg liegen und sie muss eine „offene Kirche“ sein, was Toiletten einschließt. Die Kirche in Neuengamme ist jeden Tag von 10 bis 17 Uhr geöffnet.

Überhaupt sei die Gegend für Radfahrten bestens geeignet, sagt Burkhardt, selbst leidenschaftlicher Radfahrer. „Die Landschaft ist schön, das Land ist flach, die einzigen Hügel sind die Autobahnbrücken.“ Gelegentlicher Gegenwind trainiere die Kondition. Und mit der Fähre sei auch ein Ausflug nach Niedersachsen kein Problem.