Jetzt wird das Grenz-Jubiläum nachgeholt

Die geplanten Feiern zum 100-jährigen Bestehen der deutsch-dänischen Grenze mussten im vergangenen Jahr ausfallen – aus bekannten Gründen. Doch nun wird vieles nachgeholt.

Drei Personen mit Abstand auf Treppe
Drei Personen mit Abstand auf Treppe

Flensburg/Tondern. Der 14. März hat es in sich: An diesem Tag vor 101 Jahren wurde der Verlauf der Grenze zwischen Dänemark und Deutschland festgelegt. Und im vergangenen Jahr, ebenfalls am 14. März, wurde diese Grenze vorübergehend geschlossen – weil sich das Coronavirus verbreitete. Es machte einen Großteil aller geplanten kirchlichen Aktionen zunichte.

Doch das wird jetzt nachgeholt: Mit einem Empfang, einer Pilgertour auf dem Zweirad und einem Festgottesdienst laden die dänische und deutsche Kirche im Grenzland dazu ein, das Jubiläum mit einem Jahr Verspätung zu würdigen.

Gute Nachbarschaft

Gothart Magaard, Bischof im Sprengel Schleswig und Holstein, sieht den Veranstaltungen mit Freude entgegen. „Das nachbarschaft­liche Verhältnis zwischen den Ländern war manchmal von Spannung, Konflikten und auch Neid geprägt. Das hat sich, zum Glück, in den vergangenen Jahrzehnten gravierend verändert – sodass man heute wirklich von einer guten, freundschaftlichen Nachbarschaft sprechen kann“, sagt der Theologe. Man lade sich gegenseitig zu Gottesdiensten und Veranstaltungen ein, gestalte Konvente, Bischöfe beider Länder tauschten sich in Gesprächen aus. „Historisch ist das nicht selbstverständlich und daher etwas Kostbares“, so der Bischof.

Was beide Kirchen verbinde, sei die Verwurzelung in der lutherischen Tradition. Es gebe zwischen Hadersleben und Wittenberg eine starke, historisch belegte Beziehung, so Magaard. Die Liturgie eines Gottesdienstes in beiden Ländern dagegen unterscheide sich: Sie sei in Dänemark strenger geregelt, dort wird sehr viel mehr gesungen. „Das finde ich schön, die Dänen singen unbeschwerter und haben auch einen reichen Schatz jüngerer Lieder.“

Gemeinsamer Blick in die Zukunft

Obwohl die Grenzziehung 1920 umstritten gewesen sei, habe sie letztlich zu einer Befriedung der Region beigetragen, betont Magaard: „Heute ist die Grenze einerseits eine wichtige Realität, andererseits leben viele Menschen fast so, als gäbe es sie gar nicht.“ Wie hat die Pandemie das Verhältnis beeinflusst? „Die Tatsache, dass sie geschlossen war, hat uns vor Augen geführt, wie wichtig eine offene Grenze ist“, sagt er. Jetzt wolle man gemeinsam in die Zukunft blicken: „Ich bin mir sicher, dass wir unsere Tradition der Begegnung, der gemeinsamen Gottesdienste und Feste, wieder aufnehmen werden.“

Pilgertour beginnt in Dänemark

Die Pilgertour, zu der Magaard und seine dänischen Bischofskollegen einladen, beginnt am Samstag, 14. August, um 9.30 Uhr vor der Kirche in Adelby. Anmeldungen nimmt die Bischofskanzlei unter Telefon 04621/30 70 00 oder per E-Mail an anmeldung@bksl.nordkirche.de entgegen. Am Sonntag, 15. August, findet um 10 Uhr ein Gottesdienst in der Christkirche Tondern statt, den die Pröpstinnen Annegret Wegner-Braun vom Kirchenkreis Nordfriesland und Christina Rygaard Kristiansen aus Dänemark gestalten. Kristiansen ist es wichtig, voneinander zu lernen: „Aus der historischen Erfahrung haben die deutschen Kirchen ein Bewusstsein dafür, sich sozialpolitisch zu engagieren. Das ist ein Vorbild für mich, das aber nicht ganz einfach zu kopieren ist.“