Jesuiten-Flüchtlingsdienst kritisiert Versagen von Behörden

Vertane Chancen durch eine zu träge Verwaltung – darin sieht ein führender kirchlicher Flüchtlingshelfer ein tiefes Dilemma für die Integration Die langsame Bürokratie sei mitschuld an Vorbehalten gegen Migranten.

Der Leiter des Jesuiten-Flüchtlingsdienstes, Claus Pfuff, kritisiert bei der Integration von Migranten und Geflüchteten in den Arbeitsmarkt ein “Versagen von Behörden”. Ihnen sei es nicht gelungen, Strukturen zu schaffen, um die Menschen einzubinden und ihre Fähigkeiten zu nutzen, sagte Pfuff im Interview des Internetportals katholisch.de (Mittwoch).

So könne etwa die Anerkennung von Zeugnissen Geflüchteter zwei Jahre dauern. Dadurch werde verhindert, dass Menschen arbeiten, Ausbildungen anfangen, “und dass sie sich zeigen können”, so Pfuff. “Das macht mich traurig, weil ich denke, da kommen tolle Leute – und es klappt nicht, diesen Menschen eine Zukunft zu geben und die Kapazitäten, die sie mitbringen, auch zu nutzen.”

Desinformation und Behördenversagen haben aus Sicht des Jesuiten den Umschwung in der öffentlichen Meinung zur Migration mitverursacht, trotz der Arbeitswilligkeit vieler. “Die Leute erleben aber nur, der kriegt Sozialhilfe oder kriegt Bürgergeld oder Leistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz. Dann finden sie es natürlich ärgerlich – junge Menschen, die herumsitzen und nicht arbeiten.”

Der Jesuit beklagt zudem einen allgemeinen Rechtsruck der Parteien in der Asylfrage, weil sie vom rechten politischen Spektrum getrieben seien. “Natürlich verunsichern sie dabei auch die Leute, die letztendlich einen anderen Kurs unterstützen möchten, weil ich gar nicht mehr weiß, was ich jetzt eigentlich wählen soll.”