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Israels Botschafter: Linker Antisemitismus ist der gefährlichste

Wie wehren gegen Antisemitismus von links? Der israelische Botschafter in Deutschland, Ron Prosor, sieht hier Handlungsbedarf – und macht einen Vorschlag.

Der israelische Botschafter in Deutschland, Ron Prosor, hält linken Antisemitismus für den gefährlichsten. Dagegen sei der Staat bisher wehrlos, sagte Prosor der “Rheinischen Post”. “Gegen Faschisten weiß man ganz gut vorzugehen, mit ihrem Rassismus gehen sie offen um, da gibt es Gesetze”, so Prosor weiter. Die Menschen aus dem linken Spektrum, die die Ideologie der Terrororganisation Hamas legitimierten und subtil verbreiteten, müssten jedoch auch zur Rechenschaft gezogen werden.

Der Botschafter schlägt vor, “dass Studierende, die Antisemitismus verbreiten und ihre Kommilitonen bedrohen, exmatrikuliert werden dürfen”. Extremisten fühlten sich in Europa viel zu sicher, sie missbrauchten die Meinungsfreiheit und verwandelten sie in “Aufhetzungsfreiheit”.

Auch im Kulturbereich gebe es linken Antisemitismus, so Prosor. Viele israelische Filmemacher und Künstler müssten ihre Identität an der Garderobe abgeben und Israel verleugnen, oder würden erst gar nicht eingeladen. “Dabei sind israelische Künstler und Akademiker diejenigen, die Netanjahus Regierung am meisten kritisieren.”

Nach dem mutmaßlich islamistischen Terroranschlag auf eine Chanukka-Feier in Australien mahnte Prosor gemeinsames Handeln an. Juden und Jüdinnen auf der ganzen Welt hätten Angst, der Ausnahmezustand sei Alltag. Jüdische Feiern müssten geschützt werden, jüdische Schulen hätten Sicherheitsschleusen, Studierende trauten sich manchmal nur zu zweit zur Toilette. Doch es treffe nicht nur Menschen jüdischen Glaubens: “Die offene Gesellschaft insgesamt ist in Gefahr, das haben auch die Anschläge in Deutschland gezeigt”.

Prosor rief zugleich dazu auf, als Reaktion auf den Terrorangriff Chanukka-Feierlichkeiten nicht abzusagen, sondern “jetzt erst recht” groß und ausgiebig zu feiern, “damit diese Macht nicht die Oberhand gewinnt”. Er warnte: “Diejenigen, die heute Synagogen in Brand stecken, werden das morgen mit Kirchen tun.”