Hilfe in der Schwachheit

Über ein Bibel-Zitat zu Gottes Geist schreibt Gerrit Schulte-Degenhardt. Er ist Militärpfarrer am Standort Plön.

„Wisst ihr nicht, dass ihr Gottes Tempel seid und der Geist Gottes in euch wohnt?“ 1. Korinther 3, 16

Liebe Leserinnen und Leser,
damals, als Paulus der Gemeinde in Korinth diese Frage stellt, scheinen das einige offensichtlich nicht zu wissen. Zumindest einige haben offensichtlich vergessen, dass sie Gottes Tempel sind und der Heilige Geist in ihnen wohnt.

Haben das vergessen oder können einfach nicht glauben, dass der Heilige Geist gerade auch bei ihnen Wohnung genommen hat. Vielleicht, weil sie von diesem Wohnverhältnis des Heiligen Geistes nichts oder nur so sehr wenig spüren. Denn wenn der Heilige Geist auf den Plan tritt (so haben manche vielleicht gedacht), dann müsste doch viel mehr zu spüren und zu erfahren sein von Aufbruch und Begeisterung.

Gefühl der Ohnmacht

„Wisst ihr nicht, dass ihr Gottes Tempel seid und der Geist Gottes in euch wohnt?“

„Was, da wohnt jemand? Der Heilige Geist? Bei mir?!“ So mögen damals einige gefragt haben. Und so ähnlich fragen manche wohl auch heute. „Bei mir soll er wohnen, der Geist? Bei mir, der ich so oft das Gefühl der Ohnmacht kenne und auch Zweifel und Unsicherheit, ja Niedergeschlagenheit sogar! Bei mir soll er wohnen, der Geist?

Und auch bei denen, die auf der Flucht sind? Bei denen, die alles verloren haben, was ihnen lieb oder teuer war? Auch bei denen soll er wohnen? Wie auch bei jenen, die so gern ihre Uniform tragen und sogar voller Stolz in Uniform kirchlich heiraten wollen! Auch bei denen soll er wohnen, der Heilige Geist?!“

Geist und Begeisterung

Vielleicht können manche das heute genauso schwer glauben wie damals die ersten Christen in Korinth. Möglicherweise auch deshalb, weil von der Begeisterung, mit der der Heilige Geist so oft in Verbindung gebracht wird, nichts oder nur sehr wenig zu erkennen ist. Ja, vom Geist, der begeistert! So oder ähnlich ist oft in Pfingstbotschaften zu hören. Dabei gibt es, jedenfalls soweit ich das sehen kann, diese sprachliche Nähe von Geist und Begeisterung nur im Deutschen.

Die Bibel spricht ganz anders, wenn sie auf den Heiligen Geist zu sprechen kommt. Spricht nicht von Begeisterung, sondern erzählt uns von dem Geist, der uns in unserer Schwachheit aufhilft. Sie erzählt uns vom Geist nicht als einem, der uns überschwänglich werden lässt, sondern der uns hilft, auch jene Phänomene verständlich und nüchtern zu deuten, die übernatürlich daherzukommen scheinen und nicht sofort zu verstehen sind. Der Heilige Geist wird in der Bibel beschrieben als eher ruhiger Vertreter, als einer, der nicht aufbrausend das Feld betritt, sondern als einer, der uns still und unerkannt beisteht und tröstet. Als so ein stiller Vertreter wohnt er in uns Menschen. Als einer, der jedes noch so stille Seufzen hört und der auch ein „Warum?“ kennt. Etwa dieses „Warum gerade ich?“ oder „Warum gerade jetzt?“.

Aber er ist da!

Und der dann, wenn dieses „Warum?“ auftaucht, uns an unser Wissen erinnern will. Etwa an unser Wissen von Ostern und Weihnachten. Und wie das doch war, als Gott sich aufgemacht hat, einer von uns zu werden. Wie er da zur Welt kam in einem Stall. Und wie wohl auch die Hirten die Engel hätten fragen können: „Was, da wohnt jemand?!“ Ja, da wohnt jemand. Auch zwischen all diesem ganzen Mist, den wir auch alle so gut kennen. Der Heilige Geist, der in uns wohnt, der will uns an dieses Wissen erinnern, will uns erinnern an dieses entscheidende Wissen, an dieses Wissen, das trägt, will uns daran erinnern, dass wir mit Christus verbunden sind.
„Wisst ihr nicht, dass ihr Gottes Tempel seid und der Geist Gottes in euch wohnt?“

Ja, da wohnt jemand. Bei Ihnen und bei mir. Vermutlich wohnt er da ganz unspektakulär. Aber ist da. Und bleibt da. Auf ganz und gar unbefristete Zeit. Also nicht nur heute und morgen, sondern sogar noch dereinst.

Unser Autor
Gerrit Schulte-Degenhardt ist Militärpfarrer am Standort Plön.