Hilfe für den Neustart

Sie haben im Norden vorerst eine Zuflucht gefunden. Jetzt kommt es für die ukrainischen Flüchtlinge darauf an, Fuß zu fassen. Dabei helfen Kirchengemeinden, zum Beispiel mit Deutschkursen und Netzwerktreffen.

Menschen stehen an Fohmarktständen
Menschen stehen an Fohmarktständen

Itzehoe/Hamburg. So richtig rund lief die Sache anfangs nicht. Einen offenen Treff für Geflüchtete aus der Ukraine wollte die Innenstadtgemeinde aus Itzehoe anbieten, damit sie sich für einen besseren Start in Deutschland vernetzen konnten. Doch das Interesse bei der Zielgruppe blieb überschaubar, meistens kamen weniger als eine Handvoll Flüchtlinge. Für Pastorin Wiebke Bähnk ist der Grund klar: Das Gemeindehaus in der City ist wegen eines Wasserschadens gesperrt, der Treff fand einige Kilometer entfernt statt – was offenbar zu verwirrend war.

Dass die Itzehoer Initiative doch noch zu einem Erfolg geworden ist, liegt an zwei Gruppen, die den Weg zu dem Treff gefunden haben. Sie hatten einen klaren Wunsch: „Wir möchten gern Deutsch lernen“, sagten sie zu den Pastoren, die sich kurz beratschlagten und zu dem Schluss kamen: Wenn es das ist, was gebraucht wird, dann bieten wir es an. Und so werden seit etwa fünf Wochen in Itzehoe Vokabeln und Grammatik gepaukt.

Bloß kein Klima wie in der Schule

Pastorin Bähnk und ihrer Kollegin Maren Schlotfeldt ist dabei wichtig, dass der Unterricht nicht wie in der Schule gestaltet ist. „Wir sitzen zusammen und unterhalten uns“, sagt Wiebke Bähnk. Nur bei der Aussprache würde sie öfter mal nachhaken, anders könne man es ja nicht lernen. Außerdem helfen die Lernbücher, die extra für Geflüchtete aus der Ukraine erstellt worden sind.


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Momentan lernen in Itzehoe zwei Mütter mit ihren Töchtern und ein älteres Ehepaar. Künftig sollen sie noch besser unterrichtet werden. Ein pensioniertes Lehrerpaar wolle bald den Kurs übernehmen, erzählt Pastorin Bähnk.

Nicht nur die Itzehoer Christen helfen Geflüchteten „In vielen Kirchengemeinden gibt es eine lange Tradition der Unterstützung von Geflüchteten“, sagt Magdalena Zimmermann, Flüchtlingsbeauftragte des Kirchenkreises Hamburg-West / Südholstein. An vielen Stellen stünden bestehende Angebote selbstverständlich ukrainischen Schutzsuchende offen. Wo immer möglich, sollten auch neu geschaffene Angebote für alle geflüchteten Menschen da sein.

So macht es etwa die Kirchengemeinde in Hamburg-Volksdorf. Schon seit März findet jeden Sonntagnachmittag im Gemeindehaus St. Gabriel ein offener Treff statt. Hier können die Kinder gemeinsame spielen, während die Erwachsenen Kontakte knüpfen. Schon zur Premiere seien mehr als 50 Gäste gekommen, erzählt die ehrenamtliche Organisatorin Wiebke Christiansen. Von allen hätte es positive Rückmeldungen gegeben. Heute kommen regelmäßig bis zu 75 Geflüchtete zu den Treffen, die immer mal wieder von kleinen Aktionen begleitet werden: Neulich hat zum Beispiel ein Flohmarkt stattgefunden.

Immer noch neue Familien

Viele der Geflüchteten kennen sich bereits. Aber immer noch sind laut Wiebke Christiansen bis zu vier neue Familien dabei, die Anschluss suchen – und auch finden. Was die Volksdorfer Gemeinde macht, geht aber über das bloße Kennenlernen hinaus: Sie helfen bei Kita-Plätzen, suchen gemeinsam eine Wohnung oder vermitteln einen Arztbesuch. Es gehe darum, den Geflüchteten eine Hilfe für den Neustart zu geben, sagt Wiebke Christiansen.