Hier wird das Pfarrhaus zum Filmstudio

Regelmäßig stellt Pastor Gunnar Engel Videos auf Youtube. Er erklärt, wie man betet oder Taufpate wird – und ist damit sehr erfolgreich.

Wanderup. „Hallo, mein Name ist Gunnar Engel, ich bin Pastor und möchte dir helfen, auf deinem Glaubensweg die nächsten Schritte zu tun.“ So werden die Zuschauer auf der Videoplattform Youtube begrüßt, wenn sie eines von Engels Videos angeklickt haben.

Vor rund einem halben Jahr hat der Pastor aus Wanderup bei Flensburg sich dazu entschieden, seinen eigenen Kanal einzurichten und über seinen Glauben und seinen Alltag als Pastor zu sprechen. „Wenn ich eine Frage habe, wie man zum Beispiel eine Heizung entlüftet, dann gebe ich das bei Youtube ein. Da finde ich dann jemanden, der mir das erklärt“, sagt er. Was für Heizungen gilt, gilt auch für den Glauben – auch hier kann das Internet Antworten bieten. Nur das Angebot, etwa der Landeskirchen, genügte Engel nicht. Er hat das geändert und schon mehr als 2000 Abonnenten gewonnen. Damit betreibt er einen der erfolgreichsten christlichen Youtube-Kanäle Deutschlands.

Aus dem Alltag eines Pastors

Einmal wöchentlich erscheint ein neues Video auf Engels Kanal. Die Themen kommen meist aus seinem Alltag als Pastor oder betreffen Fragen, die ihm immer wieder gestellt werden. Sein erstes Video beispielsweise drehte sich um die Frage nach Taufpaten. „Andere Sachen beschäftigen mich persönlich, und ich denke dann, dass das vielleicht auch andere Leute interessiert“, sagt der 31-Jährige.

Wer ihm zusieht, erfährt, welche Bibel er am liebsten benutzt und wie man selbst für sich die richtige Ausgabe und Übersetzung findet. Oder man bekommt Tipps, wie man mit dem Beten anfangen kann.

Ein anderes Format ist „Frag den Pastor“. Dafür sammelt er Fragen, die ihm in den Kommentarspalten bei Youtube oder Instagram gestellt werden und die er auch in seiner Gemeinde zu hören bekommt. Er versucht diese dann zu beantworten. Mit dem Format hat er angefangen, als immer mehr kleine Fragen wie „Wie wird man eigentlich Pastor?“ oder „Musst du im Pastorat wohnen?“ kamen.

Viel Aufwand

Obwohl er den Kanal rein privat betreibt, steckt eine Menge Arbeit in den Videos. Selbst für die kürzeren Filme braucht Engel mit Vorbereitung, Dreh und Schnitt gut acht Stunden. „Die Reaktionen, die ich bekomme, zeigen mir, dass sich der Aufwand lohnt“, sagt er. Ihn erreichten viele positive Rückmeldungen aus der Netzgemeinde, dazu ernsthafte Fragen und Geschichten. Auch die Mitglieder seiner Gemeinde in Wanderup kennen die Videos und sprechen ihn darauf an. „Ich kann mit dem Kanal Hürden abbauen. Manchmal baut sich die Kirche eine Mauer aus Traditionen und Abläufen auf, wo sich das Gemeindemitglied fragt: Wo ist das noch Teil meines Lebens? Und dann zeigen die Videos, dass das Teil des Alltags sein und ihn in etwas Größeres verwandeln kann, wenn du mit Gott unterwegs bist“, berichtet er. Auch seine Konfirmanden kennen seine Videos und stellen dazu Fragen.

Darum sieht Engel das Wesentliche der Kirche in seiner Ortsgemeinde. Er bekomme zwar auch Anfragen von Menschen, die Hunderte Kilometer weit weg sind, aber „spätestens, wenn es ans Eingemachte geht, macht es einen Unterschied, ob ich eine E-Mail an einen Pastor schreibe oder ob mir jemand gegenübersitzt und man gemeinsam beten und reden kann“. Er sehe diese Grenzen, aber auch die Bereicherung, die über die digitale Gemeinde auch in die Ortsgemeinde einwirken könne. „Wir bekommen Impulse und haben Kontakt zu Menschen, und die vielleicht ähnlich wie wir denken, aber 500 Kilometer weit weg sind, wo wir gar nicht mitbekommen, dass wir im Herzen Geschwister sind“, sagt Engel.