Verschwundene Katzen, zahme Hühner, fliegende Bälle

Hier ist Mitmachen erwünscht!

Wenn der Mitmachzirkus auf Usedom seinen Vorhang öffnet, werden die Kinder selbst zu engagierten Zirkusdarstellern.

Hereinspaziert, hereinspaziert! Der Mitmachzirkus machte Halt in Zirchow auf der Insel Usedom.

von Christine Senkbeil

Zirchow. „Unsere zwei Zirkusfreunde machen das einfach super“, sagt Vera Bäßmann begeistert. Sie ist Gemeindepädagogin für vier Kirchengemeinden im Süden der Insel Usedom. Als dieser besondere Sommer begann, war ihr lange nicht klar, ob überhaupt Ferienangebote möglich sein würden. „Wir haben dann letzten Endes doch ein schönes Programm durchführen können“, erzählt die 52-Jährige.

Buntes Zirkuszelt begrüßt Kinder auf Usedom

Krönender Abschluss war zweifellos der Kinder-Mitmach-Zirkus, der in Zirchow an zwei Julitagen über die Bühne ging. „Wir hatten Kinder aus dem Inselsüden eingeladen, und schließlich kamen 18 aus den Kaiserbädern und dem Hinterland.“ Zum Zirkus machen aufgerufen haben die Zirkuspädagogen Hansi Hartmann und Wolfram Stornowski – ein altbewährtes Team von „Kirche mit Kindern“.

Und so stand bunt und fröhlich ein großes Zirkuszelt im Pfarrgarten von Zirchow. Nach einer Vorstellungsrunde ging es in die Vollen: Clownerie und Jonglage, Seiltanzen und Stelzenlauf. Selbst die Arbeit mit Tieren war möglich, denn Gemeindepädagoge Wolfram Stornowski hatte seine komplette Familie mitgebracht, inklusive seiner mithelfenden Frau, den erfahrenen Zirkus-Kindern Jeremia, Salome und Anouk, sowie zweier Katzen und eines zahmen Huhns – das seinen Lieblingsplatz auf der Schulter von Salome gefunden hatte.

Ausprobieren, die eigenen Grenzen ausloten, sich neugierig vorantasten

„Die beiden gehen wunderbar auf die Kinder ein und lassen sie nur das machen, was sie selbst auch wollen“, sagt Vera Bäß-mann, die sich nun einmal zurücknehmen konnte und „nur“ das Kochgeschäft übernah. Einen ganzen Tag lang gab es außer selbstgekochter Nudeln dann intensive Probenarbeit. Mit der Stelzenleiter laufen, mit Bällen jonglieren, oder einfach Quatsch machen: Am zweiten Tag stand ein Zirkusprogramm, dass dann Eltern und Großeltern, Freunden und Nachbarn präsentiert wurde.

Applaus und großes Staunen gab es, als Anouk die Katze in einer schwarzen Box verschwinden ließ und als Huhn herauszauberte. Oder als Merle auf einem Brett über einer Röhre balancierte. Ein großer Erfolg. Und jede Menge Spaß für die Kinder. „Ein bißchen Normalität“, sagt Vera Bäßmann. „Wir durften den Abstand etwas verringern, weil es sich um feste Gruppen handelte. So gab es ein schönes, lebendiges Miteinander.“

Mutmachkisten in den offenen Kirchen

Vera Bäßmann leitet, wenn nicht Corona alle Pläne durchkreuzt, Kindergruppen mit 8 bis 15 Kindern in Liepe, Benz, Usedom und Zirchow. Im Sommer hatte es vor dem großen Zirkusvergnügen schon einige Angebote für Kinder gegeben: Kreativtage in Usedom mit 13 Kindern, Sporttage mit 18 Kindern in Morgenitz, wo sie im Pfarrhaus wohnt. Doch auch in der Coronazeit hatte sie versucht, den Draht zu den Kindern zu ehalten. Da sie außerdem in der Förderschule Benz Religionsunterricht gibt und eine Kreativ-AG leitet, ist sie nah dran am Leben der Kinder, sagt sie.

Vier „Mutmachkisten“ installierte sie in den offenen Kirchen in Usedom, Benz, Zirchow und Morgenitz: mit Büchern, Bastel-ideen, Spielen, einem Briefkasten. Dort konnten Kinder sich etwas herausholen und vielleicht ihre Wünsche hineintun. „Von Zeit zu Zeit fülle ich dann nach“, erzählt sie. Die Mutmachkisten sollen nun auch nach der Coronazeit stehen bleiben. Als eine Art Bibliothek des Vertrauens. Und dass es wieder einen Mitmachzirkus geben soll, darüber waren sich natürlich auch alle einig. Am besten, gleich im nächsten Sommer …

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