Artikel teilen:

Hering: Schicksal von Frauen in der NS-Zeit in den Blick nehmen

Der rheinland-pfälzische Landtagspräsident Hendrik Hering (SPD) hat den Beitrag von Frauen im Widerstand gegen das NS-Regime gewürdigt. Deren Schicksal sei lange Zeit nicht im Blick gewesen und unerforscht geblieben, sagte Hering am Dienstag anlässlich des Gedenktags an die Opfer des Nationalsozialismus bei einer Feierstunde im Landtag in Mainz. Viele Frauen hätten unter extremsten Bedingungen Verantwortung für sich und andere übernommen.

Die Rolle der Frauen im Widerstand gegen die Nationalsozialisten dürfe nicht auf fürsorgliche Tätigkeiten und reine Unterstützung reduziert werden, betonte Hering. „Dieses Bild greift zu kurz. Tatsächlich übernahmen auch sie Schlüsselrollen im Widerstand – und riskierten damit genauso ihr Leben wie Männer“, sagte er. Ein Beispiel sei die in NS-Haft umgekommene Franziska Kessel, die jüngste Reichstagsabgeordnete der Weimarer Republik. Erst seit wenigen Jahren erinnere in Mainz eine Gedenktafel an sie.

Frauen hätten Gewalt erfahren, weil sie Jüdinnen oder Zwangsarbeiterinnen waren, zur Minderheit der Sinti und Roma gehörten, weil sie krank oder behindert waren und weil sie sich im politischen Widerstand engagierten, sagte Hering. Oft seien sie sexualisierter Gewalt ausgesetzt gewesen: Sie seien zwangssterilisiert, in Lager- und Wehrmachtsbordellen erniedrigt oder für medizinische Experimente missbraucht worden. Rechtsextremisten zelebrierten nun wieder ein Rollenbild, in dem Frauen untergeordnet seien sowie politisch mundtot und wirtschaftlich abhängig gemacht werden sollen, sagte Hering.

Ministerpräsident Alexander Schweitzer (SPD) appellierte an die Verantwortung der Bürgerinnen und Bürger, „diesen Frauen zuzuhören, ihren Geschichten Raum zu geben und sie zu bewahren“. In der Gedenkarbeit des Landes bleibe es eine Aufgabe, diese vielfach noch unerforschten Geschichten sichtbar zu machen.

Pia Schellhammer, die Vorsitzende der Grünen-Landtagsfraktion, erinnerte daran, dass gerade lesbische Frauen und Mütter im nationalsozialistischen Deutschland massive Diskriminierung erlebt hätten, vielen von ihnen seien die Kinder entzogen worden.