Heides Marktplatz bekommt Kulturkirche

Die Kirchengemeinde Heide verpasst ihrer Stadt ein neues Zentrum. Die Umgestaltung von Deutschlands größtem unbebauten Marktplatz wird mit EU-Geldern finanziert.

Heide. Der 48 Meter hohe Kirchturm weist Besuchern schon von Weitem den Weg zum Zentrum der Stadt. Heide, die Kreisstadt Dithmarschens, ist bekannt für den größten unbebauten Marktplatz Deutschlands. Und tatsächlich: Auf dem Parkplatz angekommen, hat man freie Sicht auf über vier Hektar grauen Asphalt. Aber auch auf ein historisches Schmuckstück an der Südwestecke, das nun mithilfe von EU-Geldern zu einem Kulturzentrum ausgebaut werden soll: die St.-Jürgen-Kirche.
„Neue Mitte Dithmarschen“ hat die Kirchengemeinde Heide ihr Projekt selbstbewusst getauft, in das insgesamt vier Millionen Euro fließen sollen. Die St.-Jürgen-Kirche aus dem Jahr 1560 und das Alte Pastorat direkt hinter dem Gotteshaus von 1739 gelten als historische Kernstücke der Stadt und sollen nun aufwendig saniert werden. Die weißen Außenfassaden der beiden Gebäude sind gut erhalten, doch im Inneren haben die Verantwortlichen viel vor.

Wunsch nach vielfältiger Nutzung

So soll die St.-Jürgen-Kirche zusätzlich zu dem normalen Gemeindebetrieb Kulturkirche werden. „Nur so ist es uns möglich, das kulturelle Erbe der Kirche zu sichern“, sagt Astrid Buchin, stellvertretende Pröpstin des Kirchenkreises Dithmarschen. Bei der Ausschreibung des Architektenwettbewerbs 2015 war es den Verantwortlichen deshalb wichtig, dass die Kirche nach der Sanierung auf vielfältige Weise genutzt werden kann. Für Gottesdienste, aber auch für Lesungen, Konzerte und Theateraufführungen. Das Besondere: Der Grundriss der lang gestreckten Saalkirche mit bislang 500 Sitzplätzen gibt es her, dass zwei Veranstaltungsräume unabhängig voneinander genutzt werden können. 1694 wurde an die Südseite der Kirche ein Querhaus angebaut, das optimale Bedingungen für Kulturveranstaltungen bietet. „Es soll durch eine mobile Glaswand vom Hauptschiff getrennt werden und einen zusätzlichen Eingang bekommen“, so die stellvertretende Pröpstin, die sich im neuen Südschiff Konfirmanden-Unterricht, Kammermusik und Poetry Slams vorstellen kann.

Rückbau der Kassettendecke von 1877

Neben Modernisierungsmaßnahmen sollen auch Veränderungen aus jüngeren Epochen zurückgebaut und der Ursprungszustand wiederhergestellt werden. So sieht der Entwurf des Architekturbüros Stoy aus Neumünster vor, dass die Kassettendecke von 1877 für die darunterliegende Balkendecke weichen muss. Die Akustik der Kirche soll dadurch verbessert werden. Auch Gipswände im Hauptschiff werden abgerissen. Außerdem wird der Standort der Orgel von der Empore nach unten verlegt, der dunkle Eingangsbereich soll deutlich heller gestaltet werden. Auch eine neue Haustechnik ist geplant. Mit der Öffnung der St.-Jürgen-Kirche für kulturelle Veranstaltungen beschreite die Kirchengemeinde keinen ganz neuen Weg, betont die stellvertretende Pröpstin. „Wir kooperieren schon lange mit den örtlichen Vereinen. Die Ausstattung der Kirche ist aber sehr auf den Gottesdienst ausgerichtet. Das wollen wir nun ändern“.

Ein Mieter ist die Touristen-Information

Die Sanierung der Kirche ist für 2020 geplant, die des Alten Pastorats soll möglichst Anfang 2019 beginnen. Barrierefreiheit und energetische Sanierung stehen dort auf dem Programm. „Außerdem wollen wir das Pastorat gemäß den Funktionsansprüchen unserer Mieter umbauen“, erklärt Pastor Dennis Pistol, Vorsitzender des Kirchengemeinderats. Das Diakonische Werk hat im Alten Pastorat Beratungsstellen, der Kirchenkreis und die Kirchengemeinde sind mit Büros vertreten, außerdem sind hier die Touristen-Information und ein Weltladen untergebracht.
Die Europäische Union fördert das Projekt „Neue Mitte Dithmarschen“ mit mehr als zwei Millionen Euro. Die EU-Gelder stammen aus sogenannten ELER-Mitteln, mit denen lokale Basisdienstleistungen in Bildung und Nahversorgung gefördert werden. Auch der ländliche Tourismus, die Modernisierung ländlicher Wege und der Erhalt kulturellen Erbes gehören dazu. Die restlichen Mittel sollen aus Rücklagen des Kirchenkreises und aus dem Verkauf von Gebäuden der Kirchengemeinde fließen.