Große Hoffnung

Über Sehnsucht und Friede auf Erden schreibt Andrea Schridde. Sie ist Pastorin an der Michaelis- und Pauluskirchengemeinde in Bremerhaven.

Das Symbol des Friedens

Der Predigttext des folgenden Sonntags lautet: „Und du, Kindlein, wirst Prophet des Höchsten heißen. Denn du wirst dem Herrn vorangehen, dass du seinen Weg bereitest.“ aus Lukas 1, 67-79

Die Worte aus weißen Kreidestrichen sind noch da. An den Backsteinziegeln der Kirche. Erinnerungen an den Sommergottesdienst. Der Regen hat sie nicht abgewaschen. „Wonach haben Sie Sehnsucht?“, haben wir die Menschen gefragt: „Meine Mutti, wie sie früher war.“ „Berge.“ „Eine Umarmung.“ „Frieden.“ „Liebe.“ „Zuversicht.“ „Enkelkinder knuddeln.“ „Gemeinsamkeit.“

Sehnsucht. Wenn wir etwas ersehnen, war es schon mal da, und wir möchten es zurückhaben. Oder vielleicht haben wir es noch nie erlebt, aber stellen es uns als erfüllend vor. Auf jeden Fall fehlt uns etwas oder jemand.

Sehnsüchtig hofften Zacharias und Elisabeth auf ein Kind. Sie waren darüber alt geworden. Als Gottes Engel ihnen einen Sohn versprach, wollte Zacharias den Schmerz um das Nichterfüllte nicht aufgeben. Er mochte nicht hoffen und vertrauen. Nicht glauben diesem Engel, der Unerreichbares versprach, der längst verjährte Sehnsucht wieder zum Leben erweckte. Zacharias verstummte. Manchmal hilft ein solcher Rückzug, einen Weg für sich zu finden.

Über das Leben hinaus

Elisabeth wurde schwanger, wie der Engel es voraussagte. Als beider Sohn Johannes geboren wurde – seine Frau hatte ihm diesen schönen Namen gegeben: Der HERR hat Gnade erwiesen – fand Zacharias seine Stimme wieder. Und damit seine Kraft. Und er fühlte sich wieder mit Gott verbunden.

Als er sprach, waren es Worte, die über sein Leben hinauswiesen. Worte, die er an seinen Sohn richtete und doch zugleich an die Menschen seines Volkes: „Und du, Kindlein, wirst Prophet des Höchsten heißen. Denn du wirst dem Herrn vorangehen, dass du seinen Weg bereitest.“ Dem Herrn, der Licht in die Finsternis bringen und die Menschen auf den Weg des Friedens führen wird.

Friede auf Erden und unter den Menschen. Es ist das, was viele unter uns sich ersehnen. Wir formulieren es mit weißer Kreide auf Kirchenmauern, spüren es in unseren Herzen auf, legen es Gott in Gebeten vor. Zacharias’ Worte verleihen unserer Sehnsucht große Hoffnung und verweisen auf den, dessen Ankunft wir Weihnachten feiern.

Unsere Autorin
Andrea Schridde ist Pastorin an der Michaelis- und Pauluskirchengemeinde in Bremerhaven.

Zum Predigttext des folgenden Sonntags schreiben an dieser Stelle wechselnde Autoren. Einen neuen Text veröffentlichen wir jeden Mittwoch.

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