Gottvertrauen für morgen

Kriege, Krisen und Klimawandel: Für Sorgen und Ängste gibt es reichlich Gründe. Jürgen Moltmann steht für das Gegenteil: eine Theologie der Hoffnung – als Ehrendoktor.

Moltmann winkt ins Publikum, links daneben steht Mühling
Moltmann winkt ins Publikum, links daneben steht Mühlingepd-bild/Fritz Stark

Wuppertal/Hamburg. Der evangelische Theologe Jürgen Moltmann hat die Ehrendoktorwürde der Kirchlichen Hochschule Wuppertal erhalten. Die Auszeichnung wurde ihm in einem Festakt auf dem Campus der KiHo verliehen, an der er seine erste Professur innehatte und die an diesem Tag zugleich den 87. Jahrestag ihrer Gründung feierte. Hochschul-Rektor Markus Mühling hob in seiner Laudatio Moltmanns 1964 erschienenes Hauptwerk „Theologie der Hoffnung“ hervor. Diese Theologie sei angesichts von Überlebensproblemen des Planeten, Krisen und Nihilismus heute aktueller denn je.

Der 96-jährige Moltmann gilt als einer der renommiertesten Theologen der Gegenwart. Er versteht Theologie auch als politisch relevant und wurde durch seine in zahlreiche Sprachen übersetzten Bücher, aber auch durch Auftritte bei Kirchentagen bekannt. Generationen von Theologinnen und Theologen wurden von ihm maßgeblich geprägt. Zu seinen wichtigen Publikationen gehören auch „Der gekreuzigte Gott“ (1972), „Trinität und Reich Gottes“ (1980) und „Gott in der Schöpfung. Ökologische Schöpfungslehre“ (1985).

In Hamburg geboren

Der am 8. April 1926 in Hamburg geborene Theologe war ab 1957 Professor für Systematische Theologie an der KiHo Wuppertal und wechselte 1963 an die Universität Bonn. Von 1967 bis zu seiner Emeritierung 1994 lehrte er an der Eberhard-Karls-Universität Tübingen. Moltmann war mit der feministischen Theologin Elisabeth Moltmann-Wendel verheiratet, die 2016 starb. Er erhielt zahlreiche Auszeichnungen, darunter über ein Dutzend Ehrendoktorwürden.

Zur Ehrung ist der Saal voll besetzt Foto: Fritz Stark / epd
Zur Ehrung ist der Saal voll besetzt Foto: Fritz Stark / epdepd-bild/Fritz Stark

Moltmann habe gezeigt, dass Christen aus einer Hoffnung lebten, die sie motivierten, sich nicht mit herrschenden Verhältnissen oder Zukunftsprognosen zufriedenzugeben, sagte Mühling in seiner Würdigung. Zahlreiche Befreiungstheologien aus aller Welt hätten diesen Gedanken sofort im Kern erfasst: „Gutierrez, Boff und Cone hätten ohne das Gespräch mit Ihrer Theologie der Hoffnung wohl anders gehandelt und gedacht.“

Moltmann habe zudem dargelegt, dass Gott leidensfähig sei und dies Konsequenzen für das Verständnis der Natur mit sich bringe: „Wir sind einander Mitgeschöpfe, die in Solidarität leben.“ Auch im Blick auf Schöpfungstheologie, die Trinität Gottes und die Frage des Heiligen Geistes verdanke die Theologie Moltmann wichtige Erkenntnisse, sagte Mühling. „Wir bedanken uns für alle Anregungen, die Sie uns als Theologen, als politischen Menschen, als liebende und geliebte Personen, kurz als Mitgeschöpfe, gegeben haben.“

„Aber die Hoffnung ist wichtiger“

Moltmann selbst äußerte sich in einem Gespräch aus Anlass seiner Würdigung zu den aktuellen Krisen und sagte, die Furcht vor Erdüberhitzung, Artensterben und Verschmutzung der Meere sei wichtig. „Aber Hoffnung ist wichtiger, weil sie uns Mut macht, die Konsequenzen für die Gegenwart schnell zu ziehen und das wissenschaftlich-technische Weltbild, das mit seinem Fortschrittsglauben die Katastrophe verursacht hat, infrage zu stellen.“ Gegen den Fortschrittsglauben, der Luft, Erde und Meere verschmutze, helfe „nur die zyklische Natur der Erde: Kreislaufwirtschaft und Wiederverwertung“.

„Wir müssen die Natur, natürliche Lebewesen und Ökosystem nicht nur wissenschaftlich erklären, sondern empathisch verstehen“, betonte Moltmann in dem Gespräch mit Mühling. „Der ‚Gott der Hoffnung‘ erfüllt uns mit Gottvertrauen für morgen, wie er 1945 bei uns war, als unsere Nachkriegsgeneration nur Trümmerfelder ererbt hatte.“ Es gelte, die Natur und alle natürlichen Lebewesen als Subjekte verstehen, „nur so kann es zur Schöpfungsgemeinschaft kommen“. (epd)