Gemeinsame Sache

Kirchengemeinden und Sportvereine bewegen viel, mitunter empfinden sie sich jedoch als Konkurrenz. Das wollen sie nun ändern – gute Ideen dafür gibt es bereits.

Nicolas Roters ist der bundesweit erste Bufdi, der zugleich für einen Kreissportbund und eine Kirchengemeinde arbeitet.
Nicolas Roters ist der bundesweit erste Bufdi, der zugleich für einen Kreissportbund und eine Kirchengemeinde arbeitet.

Hannover/Nordhorn. Zwei Herzen schlagen in seiner Brust. Nicolas Roters spielt genauso leidenschaftlich Fußball, wie er sich in der kirchlichen Jugend engagiert. Der 18-Jährige bringt unter einen Hut, was sich mitunter schwer vereinbaren lässt. Und das schafft er nicht nur privat, sondern seit einigen Monaten auch als Bundesfreiwilliger (Bufdi): Etwa 20 Stunden pro Woche arbeitet er für den Kreissportbund in der Grafschaft Bentheim und rund 20 Stunden in der Christus- und Kreuzkirchengemeinde in Nordhorn – ein ungewöhnliches und bisher einmaliges Projekt.

Bufti als Verbindungsglied zwischen Kirche und Sport

Unter anderem soll Nicolas Roters gemeinsame Angebote für Jugendliche entwickeln, die sich entweder für den Sport oder die Arbeit in der Gemeinde interessieren. „Das ist schon eine Herausforderung, beide Gruppen zusammenzubringen“, sagt der Bufdi. „Die Interessen sind eigentlich kaum identisch. Da muss man sich für alle was Cooles ausdenken.“ Zum Beispiel Angebote mit Trennsportgeräten wie eckigen Bällen oder Bällen, die im Dunkeln leuchten.

In der Nordhorner Gemeinde scheint das Miteinander zu gelingen. Bei „fair pray“ – angelehnt an das Sportlermotto „fair play“ – treffen sich seit mehr als zwei Jahren kirchlich und sportlich engagierte Jugendliche zu gemeinsamen Unternehmungen. „Wir haben schon einige tolle Aktionen zusammen gemacht“, erzählt Roters. Highlight sei eine Fahrt ins Ruhrgebiet gewesen: „Wir haben dort die Kapelle bei Schalke 04 besucht.“ Auch Grill-, Kegel- und Filmabende mit Andacht standen schon auf dem Programm von „fair pray“.

Neue Projekte stehen in den Startlöchern

Impulse für das Zusammenspiel gibt Inge Rohoff, die Diakonin der Christus- und Kreuzkirchengemeinde in Nordhorn. Die 40-jährige Fußballerin hat ihre Diplomarbeit über das Thema Kirche und Sport geschrieben und engagiert sich in zahlreichen Gremien wie dem Landesarbeitskreis Kirche und Sport. Das nächste große Projekt für Nordhorn plant die Kirchenfrau zusammen mit dem Kreissportbund: ein Sportkirchentag im kommenden Jahr. „Es wird Workshops geben, Gespräche auf der Bühne und einen Abschlussgottesdienst mit dem Regionalbischof.“ Durch öffentliche Angebote wie diese bleibe die Kirche ein wichtiger Ansprechpartner für viele Menschen, so Rohoff. „Kirche hat eine unglaublich positive Außenwirkung. Vielleicht gehen die Leute nicht in den Sonntagsgottesdienst, aber sie besuchen Gemeindefeste und beteiligen sich am Konfirmandentag“, ist die Diakonin überzeugt.

Gemeinsam den Sozialraum gestalten

„Kirchengemeinden und Sportvereine sind wichtig für das Gemeinwesen“, sagt Sportpastor Henning Busse vom Haus kirchlicher Dienste in Hannover. „Wenn sie zusammenarbeiten, können sie für das Dorf oder den Stadtteil etwas erreichen, was allen zugutekommt“, so Busse weiter. „Etwa bei der Verhinderung von Gewalt und Extremismus.“ Erstmals laden die fünf evangelischen Kirchen in Niedersachsen und der Landessportbund im kommenden Mai gemeinsam zu einer Tagung unter dem Motto: „Kirche und Sport als Partner vor Ort – gemeinsam den Sozialraum gestalten“ ein. In Vorträgen, Workshops und Gesprächen können die Teilnehmer Modelle für die Zusammenarbeit kennenlernen. Ein weiteres Thema ist Barrierefreiheit.

Anmeldungen sind bis zum 29. April möglich unter dkrause@akademie.lsb-nds.de, telefonisch unter 0511/126 83 05 oder online auf www.akademie.lsb-niedersachsen.de/kirche-sport.