Mit Künstlicher Intelligenz gefälschte Bilder gefährden nach Ansicht des Leiters des NS-Dokumentationszentrums in Köln, Henning Borggräfe, die Bildungsarbeit. Eine Flut an KI-Bildern etwa aus Konzentrationslagern „untergräbt, welchen Wert eigentlich die tatsächlichen historischen Zeugnisse haben“, sagte Borggräfe dem Radiosender WDR 5 zum Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus (27. Januar) am Dienstag. So werde es zunehmend schwieriger, Wissen zu vermitteln oder sich darauf zu verständigen, was quellenmäßig gesichertes empirisches Wissen über die NS-Verfolgung ist.
Aktuell kursierten etwa viele KI-generierte Bilder von vermeintlichen „Befreiungsszenen“, in denen Häftlinge am Stacheldraht von Konzentrationslagern auf ihre Familienangehörigen treffen, erklärte der Historiker. Solche „rührigen Wiedersehens-Szenen“ hätten mit der historischen Realität „überhaupt nichts zu tun“, sagte Borggräfe. Die Häftlinge seien bei der Befreiung in der Regel in extrem desolaten Zustand gewesen. Tausende seien während der Befreiung gestorben und die noch lebenden Familienangehörigen nicht im Umfeld dieser Lager gewesen.
Solche KI-Slops, also „algorithmisch hergestellter Brei“, würden gezielt produziert, um zu emotionalisieren und so Geld über Klicks zu generieren, erklärte der Gedenkstättenleiter. Dies habe sich zu einem Profitzweig entwickelt, bei dem weltweit sogenannte Content Farmen zu emotional aufgeladenen Themen automatisch Bilder und Text generieren. Borggräfe kritisierte, dieses Geschäftsmodell instrumentalisiere das Leid der Opfer und Hinterbliebenen. Das sei „ein hochgradig ethisches Problem“. 30 Gedenkstätten, Stiftungen und Initiativen in Deutschland hatten sich Mitte Januar mit einem Brief an die Betreiber von Social-Media-Plattformen gewandt, um auf das Problem aufmerksam zu machen.
Zudem gebe es auch Menschen, die solche KI-Bilder bewusst zu politischen Zwecken nutzen, sagte der Historiker. Sie verbreiteten falsche Darstellungen, „um Desinformationen zu streuen, um Geschichte zu relativieren, um die Opfer zu entwürdigen“.