Freiwillige aus Niedersachsen fordern bessere Absicherung kirchlicher Jugendarbeit

„Ganz viel scheitert am Geld“

Oft müssten sich die Engagierten rechtfertigen, warum Jugendarbeit überhaupt wichtig sei, sagt Sophie Kellner von der Landesjugendkammer. Dabei habe diese Arbeit ein Alleinstellungsmerkmal.

Beim Landesjugendcamp in Verden bei Bremen ist auch mal Entspannung angesagt (Archivbild)

von Dieter Sell

Verden / Hannover. Die freiwillig Engagierten in der Kinder- und Jugendarbeit der Kirche Hannovers fordern von ihrer Landeskirche mehr Geld für die Arbeit in den Regionen. „Nötig ist ein Mindestschlüssel, eine Grundausstattung, die durch die Landeskirche abgesichert wird“, sagte die Vorsitzende der evangelischen Landesjugendkammer, Sophie Kellner, im Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst (epd). Die Kammer ist der Leitungskreis der Evangelischen Jugend der hannoverschen Landeskirche.

„Jugendarbeit scheitert bei uns ganz viel am Geld“, bilanzierte die 23-Jährige, die seit zwölf Jahren in diesem Bereich mitwirkt. Gerade engagiert sie sich im Team, das das kirchliche Landesjugendcamp in Verden bei Bremen organisiert. Zu dem Treffen unter dem Motto „Live und in Farben“ werden am kommenden Wochenende auf dem evangelischen Jugendhof Sachsenhain mehr als 1.600 Teilnehmende erwartet. Kellner: „Nach den pandemiebedingten Einschränkungen der vergangenen Jahre ist das Bedürfnis groß, sich wieder unbeschwert zu treffen. Das ist wie Urlaub vom Alltag.“

Frei von Leistungsdruck

Das treffe auch auf die Angebote in Gemeinden und Regionen zu. „Aber oft geht es für uns gar nicht in erster Linie um die Frage, was nötig ist, damit es gut läuft. Vielfach müssen wir uns noch grundsätzlich rechtfertigen, warum Kinder- und Jugendarbeit überhaupt wichtig ist“, kritisierte Kellner. Dabei habe die Evangelische Jugendarbeit ein gesellschaftliches Alleinstellungsmerkmal, das für viele junge Leute attraktiv sei: „Hier bist du jenseits von Leistungsdruck, Konsum und Statussymbolen willkommen, hier kannst du kommen, wie du bist.“ Das gelte auch für das Camp in Verden.

Sophie Kellner, Vorsitzende der evangelischen Landesjugendkammer Foto: Landesjugendpfarramt

„Jeder bringt das mit, was er kann – das ist megacool“, betonte Kellner. „Auf diese Weise kommen Leute zusammen, die krass viel machen und sich für andere Menschen einsetzen.“ Doch diese Arbeit müsse grundsätzlich abgesichert werden, personell und mit Ausrüstung wie etwa Fahrzeugen für die Mobilität in ländlichen Regionen und einem Budget, mit denen Jugendliche selbstbestimmt Projekte anschieben könnten. Doch auch personell sei die Lage aufgrund von Kürzungen nicht selten schwierig: „Es gibt viele Diakoninnen und Diakone, die viel mehr arbeiten, als sie müssten.“


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Einen großen Nachholbedarf gibt es Kellner zufolge auch in der Präsenz auf Social-Media-Kanälen. „Das sind für Jugendliche ganz selbstverständliche Orte der Begegnung, da gibt es Austausch und Informationen, da müssen wir auch sein.“ Für Kellner ist klar: Angebote beispielsweise auf Instagram sind für junge Leute „genauso wertvoll wie ein Sonntagsgottesdienst“. (epd)

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