Früher im Kloster, heute ein Pastoren-Paar

Einst lebten sie als Priester im Kloster. Doch Dirk Fey und Stephan Möllmann trugen die Positionen der katholischen Kirche nicht mehr mit. Jetzt sind sie evangelische Pastoren – und leben als Paar.

Dirk Fey und Stephan Möllmann
Dirk Fey und Stephan MöllmannNicole Kiesewetter

Rödlin. Es ist viel passiert in den vergangenen Monaten im Leben von Dirk Fey und Stephan Möllmann. Noch bis 2015 gehörten sie einer katholischen und missionarischen Ordensgemeinschaft an. „Wir sind beide in einer liberalen Gemeinde aufgewachsen. Kirche war ein Ort der Offenheit“, erzählen sie. Leitfiguren wie der Limburger Bischof Kamphaus, der sich in der Frage der Schwangerschaftskonfliktberatung zeitweise gegen den damaligen Papst Johannes Paul II. stellte, waren mein Vorbild, erinnert sich der 42-jährige Möllmann. „So wollten wir sein, so wollten wir Dienst tun.“
Aber leider sei es aus ihrer Sicht mit den Jahren in der katholischen Kirche immer konservativer geworden, sagt Dirk Fey. Kurz vor seiner Priesterweihe im Dezember 2005 gab es aus dem Vatikan in Rom eine Anweisung, dass homosexuelle Priesteranwärter nicht geweiht werden dürfen. Darin wird nicht nur Personen, die Homosexualität praktizieren, sondern auch solchen mit „tiefsitzender homosexueller Tendenz“ oder die eine „sogenannte homosexuelle Kultur unterstützen“, das Priesteramt verwehrt. Das habe ihre Zweifel genährt, ob sie auf dem richtigen Weg seien.

Wichtiger als theologische Grabenkämpfe

Bis vor diesem Erlass war Priesterschaft und Homosexualität kein ausgesprochener Widerspruch. „Ein Priester hatte ja prinzipiell keine Sexualität zu praktizieren, egal welcher Prägung“, verdeutlicht Fey. Er selbst wollte Priester sein und hat darum seine Homosexualität verschwiegen. „Mir war der Dienst für Gott immer wichtiger als theologische Grabenkämpfe“, sagt der 39-Jährige. Doch nun gab es diesen Graben – und er wurde für beide immer unüberbrückbarer.
Zunehmend fragten sie sich, ob es gut sei, im Kloster zu bleiben. „Wir mussten immer häufiger Entscheidungen mittragen, die gegen unsere Überzeugungen standen“, sagt Dirk Fey. Zum Bruch kam es schließlich, als einem angestellten Mitarbeiter wegen seiner Homosexualität gekündigt wurde.
Nach vielen Gesprächen entschlossen sie sich, dem Klosterleben den Rücken zu kehren – ohne berufliche Perspektive, ohne Hab und Gut, denn Besitzlosigkeit gehörte ja bisher auch zu ihrer Lebensform.
„Das war eine harte Zeit“, erinnert sich Möllmann. Von Seiten des Ordens sei ihnen hinterher vorgeworfen worden, sich schon während ihrer Priesterzeit nicht an ihr Gelübde gehalten zu haben. „Das hat uns getroffen.“

Ein Paar erst nach dem Kloster

Zuneigung zueinander hätten sie immer empfunden, aber ein Paar seien sie erst nach dem Austritt aus dem Orden geworden. „Das müssen wir auch immer noch einüben“, sagen Möllmann und Fey. Im Januar 2016 gaben sie sich offiziell das Ja-Wort.
Nach ihrem Ordensaustritt waren beide zunächst im Haus einer Freundin untergekommen und hatten Anstellungen als Sozialpädagogen bei der Betreuung unbegleiteter minderjähriger Flüchtlinge gefunden.
Dirk Fey erinnert sich, dass es ihn mit Beginn der Adventszeit doch wieder in die Kirche zog, „irgendwas fehlte doch im Leben“. „Als ich dann aber mit den Erfahrungen in der Flüchtlingsarbeit den Prunk der katholischen Messe erlebte, merkte ich: Das ist nicht mehr deins.“ Möllmann und er verließen die katholische Kirche und konvertierten zum evangelischen Glauben. Bald stand für beide fest, sie wollen wieder als Pastor arbeiten. Sie bewarben sich bei fünf Landeskirchen, zwei reagierten auf ihre Bewerbungen positiv, darunter die Nordkirche.

Einzug ins Pfarrhaus

Ob sie sich vorstellen könnten, nach Mecklenburg-Vorpommern zu gehen, wurden die beiden gleich zu Beginn gefragt. „Wir gehen dahin, wo wir gebraucht werden“, lautete ihre Antwort. Daraufhin gab es verschiedene Gespräche mit der Kirchenleitung in Schwerin und Kiel, ein theologisches Kolloquium mit Landesbischof Gerhard Ulrich, Praktika in Kirchengemeinden, „und nach und nach sprang die nächste Ampel auf Grün“.
Nach ihrer Vorstellung in den Kirchengemeinderäten konnte das Pastorenpaar Ende Oktober ins Rödliner Pfarrhaus einziehen. Dirk Fey begann am 1. November seinen Dienst als Pastor der Kirchengemeinde Rödlin-Warbende, Stephan Möllmann übernimmt bis auf weiteres Aushilfsdienste als Pastor in der Propstei Neustrelitz. „Wir erleben viel Offenheit“, sagen beide. „Wir werden als Menschen gesehen und sind dankbar, dass wir unseren Weg mit Gott gehen dürfen.“