Fragen dürfen bleiben

Mit dem Roman „Genug“ verarbeitet Louise Juhl Dalsgaard ihre eigene Magersucht – poetisch grundiert und lakonisch gestimmt.

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Das Leben steht ihr offen, ihr Abi-Schnitt ist 1,5. Literatur will sie studieren, auch hat sie einen netten Freund, dazu Eltern, mit denen man es aushalten kann. Doch dann beschließt die junge Frau Sport zu treiben und so abzunehmen. Sie wird viel lesen in den nächsten neun Monaten und kaum noch etwas essen. Bis sie 40 Kilo verloren hat.

23 Jahre später setzt die Schriftstellerin Louise Juhl Dalsgaard via ­Facebook einen Post ab, berichtet von ihrer einstigen Magersucht. Sie erwartet keine große Resonanz. Doch überraschend viele Leute melden sich, die zwei Fragen stellen: Wie konnte das passieren? Und: Wie ist sie da wieder rausgekommen? Dalsgaard muss sich eingestehen, dass sie genau darauf keine Antworten weiß.

Sie fängt an zu schreiben; lässt sie sich ihre Krankenakte schicken, von der einige Passagen in den Text eingeflossen sind. Dabei bleibt ihr Buch ein Roman, bleibt eine literarische Erkundung, auch Ausschmückung und wird kein Erfahrungsbericht. Poetisch grundiert, auch lakonisch gestimmt, taucht sie ein in die fiktive Kindheit und Jugend ihrer namenlosen Heldin; erzählt in für sich stehenden Episoden von Klinikaufenthalten und einsamen Abenden in ihrer Studentenbude – und erlaubt es sich und damit uns, dass die Fragen Fragen bleiben dürfen. Ist denn immer alles zu ergründen, das einem im Leben widerfahren ist?

Louise Juhl Dalsgaard: „Genug“.
Picus, Wien, 2021, 192 Seiten, 20 Euro.

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