Entwicklungshelfer bezeichnen den Vorwurf der Verschwendung oft als Klischee. Doch einer aus ihren Reihen erhebt ihn selbst. Vielen Organisationen gehe es vor allem um Eigennutz. Hinzu kämen korrupte Partner.
Der Entwicklungsexperte und Gründer der Organisation Foodwatch, Thilo Bode (79), kritisiert eine aus seiner Sicht häufig fehlende Transparenz in der deutschen Entwicklungspolitik. Zugleich warf er in einem Interview in der Zeitung “Die Welt” (Dienstag) Vertretern von Hilfsorganisationen wie “Brot für die Welt, Welthungerhilfe, Misereor und wie sie alle heißen” vor, auf Staatsgelder auch aus zu sein, um ihre gut dotierten Posten zu sichern. “Es gibt kein Interesse an Transparenz. Deshalb fordere ich eine unabhängige, externe Evaluation”, so Bode.
Der langjährige Geschäftsführer von Foodwatch und frühere Chef von Greenpeace International bemängelte zudem, Entwicklungshelfer evaluierten sich oft selbst. Hier sieht er auch Verfehlungen der Bundesregierungen: “Ich habe vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit die Prüfberichte der letzten 40 Jahre angefordert. Sie waren praktisch von der ersten bis zur letzten Zeile geschwärzt.” Dies werde dann etwa mit dem Bankgeheimnis oder den Beziehungen zum Partnerland begründet.
Als Beispiel für verfehlte Entwicklungspolitik nennt Bode Tunesien. “Die ganze Hilfe der letzten 30, 40 Jahre hat die Armut nicht beseitigt. Dafür hat sie ökologische Schäden verursacht, etwa durch Entnahme von Übermengen an Grundwasser für Bewässerungssysteme, die nicht instand gehalten werden.” Doch man schaue bei der Vergabe von Entwicklungsgeldern nicht genauer hin, “weil wir erpressbar sind. Weil unsere korrupten und autoritären Partner sagen: Wenn ihr uns das Geld nicht gebt, dann lassen wir noch mehr Flüchtlingsboote nach Europa kommen.”