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Experte: Das kann ein Song wie “Streets of Minneapolis” bewirken

Bruce Springsteen ist eine Ausnahme, sagt ein Experte für Popkultur: Politische Botschaften würden heute selten in Musik verpackt. Die Welt verändert hätten solche Lieder ohnehin selten – wichtig seien sie dennoch.

Protestsongs haben aus Sicht eines Experten nicht mehr die Durchschlagskraft wie vor 40 bis 60 Jahren. “Heute wählen Popstars eher Social-Media-Verlautbarungen, provokante Image- und Fashion-Statements oder symbolische Handlungen, um sich politisch zu äußern”, sagte Michael Behrendt der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). Er ist Autor mehrerer Bücher wie “Provokation! Songs, die für Zündstoff sorg(t)en” (2019) oder zuletzt “Playlist zum Glück” (2025).

Dennoch könne der Song “Streets of Minneapolis” punkten: Bruce Springsteen, der ihn am Mittwoch veröffentlichte, sei schließlich ein Weltstar. “Wenn jemand wie er sich in dieser Weise äußert, ist das spektakulär und wird in den News aufgegriffen”, erklärte der Publizist. Wichtig sei das Statement des Musikers auch, weil sich viele Menschen gefragt hätten, “wann endlich die Stars der Kunst-, der Film- und der Musikszene gegen Trump aufstehen”. Der Song behandelt die Tötungen von Alex Pretti und Renée Good: Beide starben während der “Operation Metro Surge”, für die US-Präsident Donald Trump 3.000 vermummte Bundesagenten in die liberale Stadt Minneapolis geschickt hatte.

Heute wählten Popstars “eher Social-Media-Verlautbarungen, provokante Image- und Fashion-Statements oder symbolische Handlungen, um sich politisch zu äußern”, erklärte Behrendt: “Wenn Neil Young seinen Songkatalog medienwirksam an Grönland verschenkt, erzielt das mehr Wirkung als ein weiteres ‘Rockin’ in the Free World’.” Dieser Young-Song kritisierte 1991 die Regierung von George H. W. Bush. Zwar gebe es immer mehr sozialkritische Lieder und Empowerment-Statements, doch viele davon gingen “im globalen musikalischen Grundrauschen” unter.

Grundsätzlich könnten Protestsongs motivieren, Zusammenhalt stiften und Haltungen auf den Punkt bringen, sagte der Experte. “Echte Gamechanger sind sie allerdings selten – die berühmteste Ausnahme ist wohl Bob Dylans Song ‘Hurricane’ von 1975, der nachweislich dazu beitrug, dass ein offensichtlicher Justizirrtum neu aufgerollt werden musste. Der zu Unrecht wegen Mordes verurteilte schwarze Boxer Rubin ‘Hurricane’ Carter kam damals tatsächlich frei.” Nicht umsonst erinnere der Sound von “Streets of Minneapolis” an “das Dylan’sche Protestsong-Erbe”. Entscheidend sei, ob ein Song den Nerv einer Bewegung treffe.