Es gibt keine einfache Lösung

In der Diskussion um eine Neuregelung der Sterbehilfe in Deutschland machen sich die Kirchen in Niedersachsen und Bremen für Alternativen zur Selbsttötung stark.

Eine Auszubildende gibt am 08.11.2018 im Pflegeheim „Lazarus Haus Berlin“ der Hoffnungstaler Stiftung Lobetal ein Schmermittel.  *** Local Caption *** 00408566
Eine Auszubildende gibt am 08.11.2018 im Pflegeheim „Lazarus Haus Berlin“ der Hoffnungstaler Stiftung Lobetal ein Schmermittel. *** Local Caption *** 00408566Juergen Blume

Hannover, Bremen. Erstmals melden sich mit einer veröffentlichten Erklärung evangelische und katholische Bischöfe sowie weitere leitende Theologinnen und Theologen gemeinsam zum Thema Sterbehilfe zu Wort. „In dieser herausfordernden ethischen Frage gibt es keine einfachen Lösungen. Es kommt uns darauf an, Menschen in ihren Wünschen und Bedürfnissen ernstzunehmen“, sagte der hannoversche evangelische Landesbischof Ralf Meister.

Assistierter Suizid in kirchlichen Häusern?

Die Kirchen fordern in ihrem Papier, medizinisch-pflegerisches Personal dürfe nicht zur Suizid-Assistenz gedrängt werden. Auch Institutionen dürften dazu nicht verpflichtet werden. Ob in Grenz- und Notsituationen ein assistierter Suizid in kirchlichen Häusern geduldet werden könne, lasse sich jedoch nicht pauschal beantworten. Gleichzeitig sprechen sich die Kirchenvertreter für den Ausbau der Hospizarbeit und Palliativ-Versorgung für schwerkranke Menschen aus. Für suizidgefährdete Menschen muss es ein größeres und stärkeres Netz professioneller Beratungsstellen geben. Hier sind die Kirchen bereit mitzuarbeiten.

Zwei Gruppen von Bundestagsabgeordneten haben mittlerweile Vorschläge zur Neuregelung der Sterbehilfe gemacht. Nötig wurde dies, weil nach einem Urteil des Bundesverfassungsgerichtes vom Februar 2020 Menschen in Deutschland das Recht auf ein selbstbestimmtes Sterben haben, einschließlich eines eigenverantwortlichen Suizids mit freiwilliger Assistenz.

Kontroverse Debatte mit gemeinsamen Positionen

Der Hildesheimer katholische Bischof Heiner Wilmer sagte: „Ich bin sehr dankbar, dass es uns gelungen ist, in dieser kontroversen Debatte gemeinsame Positionen zwischen der katholischen Kirche und den evangelischen Kirchen herauszuarbeiten.“ Innerkirchlich hatte unter anderen Bischof Meister für Debatten gesorgt, weil er einen professionell assistierten Suizid in kirchlich-diakonischen Einrichtungen nicht ausschließen wollte.

Unterzeichnet haben das Papier die evangelischen Bischöfe Thomas Adomeit, Ralf Meister, Christoph Meyns und Karl-Hinrich Manzke sowie die katholischen Bischöfe Franz-Josef Bode, Heiner Wilmer und Weihbischof Wilfried Theising. Hinzu kommen der leitende Bremer Theologe Bernd Kuschnerus und die reformierte Kirchenpräsidentin Susanne Bei der Wieden. (epd)