Artikel teilen:

Erziehungs-Gewerkschaft sieht Teile des Kibiz-Entwurfs kritisch

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) NRW sieht den Entwurf für eine Reform des Kinderbildungsgesetzes (Kibiz) in Nordrhein-Westfalen teils kritisch. Der Verband warnte am Dienstag in Essen vor „deutlichen Rückschritten in der pädagogischen Qualität“. Besonders die geplante Einführung von Kern- und Randzeiten mit unterschiedlichen Personal- und Qualitätsanforderungen sieht die Gewerkschaft kritisch.

Die GEW NRW befürchtet „ein kompliziertes Regelwerk mit Kontrollmechanismen und Risiken für die Träger“. Für frühkindliche Bildung seien Kontinuität und stabile Beziehungen wichtig, betonte die Vorsitzende Ayla Çelik. „Wenn in den Randzeiten geringere Anforderungen gelten, besteht die Gefahr einer pädagogischen Minimalzeit, während wichtige Bildungsarbeit an den Tagesrand gedrängt wird“, erklärte sie. Zudem werde durch die Reform weder der Personalschlüssel verbessert noch würden verbindliche Zeitkontingente für Leitungsaufgaben und Vorbereitungszeit erhöht.

Im Gesetzgebungsverfahren werde die GEW NRW für eine Überarbeitung des Entwurfs eintreten, hieß es. Die tatsächlichen Bedingungen der Praxis müssten stärker berücksichtigt werden. Zwar enthalte die geplante Kibiz-Reform wichtige Signale wie eine rechtliche Grundlage für die Einrichtung von Chancen-Kitas, mit denen Bildungsgerechtigkeit verbessert werden soll. Doch gute Ideen könnten nur mit ausreichend qualifiziertem Personal wirksam werden, betonte Çelik. Wichtig seien auch kleinere Gruppen, mehr Zeit für pädagogische Arbeit und eine auskömmliche, verlässliche Finanzierung.

Um die Finanzierung der Kitas in NRW dauerhaft zu stabilisieren, will die Landesregierung etwa die Grundfinanzierung um zusätzlich 200 Millionen Euro im Jahr erhöhen und 1,5 Milliarden Euro für Investitionen zur Verfügung stellen. Das neue Kibiz soll zum Kitajahr 2027/28 in Kraft treten und sieht auch vor, dass Träger eigenverantwortlich Kern- und Randzeiten in den Kitas definieren können. In den Randzeiten sollen sie von der sonst vorgeschriebenen Zusammensetzung des pädagogischen Personals abweichen können. Zudem sollen Elemente wie die Förderung der praxisintegrierten Ausbildung zum Kinderpfleger in das KiBiz integriert und Chancen-Kitas eingeführt werden.