Einsichten – die christliche Kolumne

Erwählung

Über die gemeinsame Achtung und den Schutz Gottes Schöpfung spricht Dorothea Strube, sie ist Pastorin und leitet das Zentrum kirchlicher Dienste im Kirchenkreis Mecklenburg in Rostock.

Der Predigttext des folgenden Sonntags lautet: „Werdet ihr nun meiner Stimme gehorchen und meinen Bund halten, so sollt ihr mein Eigentum sein vor allen Völkern; denn die ganze Erde ist mein.“

In ein paar Wochen wird gewählt in Deutschland, und ich mache mir Gedanken, wer von den Parteien und Personen das richtige Programm, die richtigen Strategien und die notwendige Integrität hat, um die verantwortungsvolle Aufgabe des Regierens übernehmen zu können. Ich erwarte, dass sie dieses Amt richtig verstehen und mit Leidenschaft für die Interessen der Gesellschaft und das Leben zukünftiger Generationen arbeiten.

Ganz andere Leidenschaft ist im Spiel, wenn es um die Erwählung Israels geht, die im Zentrum des kommenden Israelsonntags steht. Vor allen anderen Völkern hat Gott dieses Volk erwählt, es zu seinem Schatz gemacht und mit ihm einen Bund geschlossen, der den Juden heute besondere Gottesnähe, Schutz und Segen verheißt. Und gleichzeitig wird ihnen die Einhaltung der Thora mit ihren 613 Geboten und Verboten zugemutet. Kein Privileg also, keine sichere Kiste, keine moralische Überlegenheit ist mit dieser Erwählung verbunden, sondern harte Arbeit.

Ihre Bestimmung und Belastung ist es, ein heiliges Volk zu sein und den Segen Gottes weiterzutragen, damit die ganze Menschheit gesegnet wird. Doch das haben wir Christen lange nicht verstanden. Aus der Einladung Christi an uns, zu diesem Bund hinzuzukommen, wurde die überhebliche Überzeugung, das vermeintlich neue und wahre Israel zu sein.

Der Bund Gottes mit uns Menschen ist ein sehnsuchtsvolles, dynamisches Geschehen, das zu jeder Zeit neuen Ausdruck findet. Und in Christus begegnet uns das Wort Gottes, mit dem auch wir erwählt und berufen sind. Berührt und getragen von Gottes Liebe sollen wir Licht der Welt und Salz der Erde sein.

Das darf man auch ruhig politisch verstehen. Gemeinsam mit unseren jüdischen Geschwistern können wir viel dazu beitragen, dass der Frieden gestärkt wird. Gemeinsam mit den Geschwistern aller Religionen können wir für die Achtung und den Schutz dieser einzigartigen Welt, Gottes Schöpfung, eintreten. Wir haben die Wahl.

Unsere Autorin
Dorothea Strube ist Pastorin und leitet das Zentrum kirchlicher Dienste im Kirchenkreis Mecklenburg in Rostock.

Zum Predigttext des folgenden Sonntags schreiben an dieser Stelle wechselnde Autoren. Einen neuen Text veröffentlichen wir jeden Dienstag.

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