Flüchtlinge aus Syrien bei der Pinneberger Diakonie

Endlich die Ausbildung geschafft

2015 kamen sie aus Syrien, nun haben zwei Flüchtlinge ihre Ausbildung bei der Diakonie in Pinneberg abgeschlossen. Einer hat bereits die nächste Stelle bei einem kirchlichen Arbeitgeber gefunden.

Eyad Isper (l.)und Mohammed Masmas dürfen sich nun Kaufmann für Büromanagement nennen

von Friederike Lübke

Pinneberg. Wie er die deutsche Bürokratie findet? Da muss Eyad Isper kurz lachen. „Manchmal sehr organisiert. Manchmal dauert es“, sagt er. Gerade hat er seine Ausbildung zum Kaufmann für Büromanagement abgeschlossen. Absolviert hat er sie beim Diakonieverein Migration.

Eyad Isper kam 2015 aus Syrien nach Deutschland. Er nahm beim Diakonieverein an Sprachkursen teil und begann schnell, sich auch ehrenamtlich zu engagieren. Weil er Englisch sprach, konnte er als Übersetzer helfen. Der damalige Leiter, Ludger Fischer, bot ihm und Mohammed Masmas, einem weiteren Flüchtling, einen Ausbildungsplatz an. Beide griffen zu. „Ich mag auch Büroarbeit“, sagt Isper.

Älter als der typische Azubi

Eyad Isper ist mittlerweile 32 Jahre alt, Mohammed Masmas 28. Beide waren also schon deutlich älter als der typische Azubi. Isper hatte in Syrien bereits ein Studium abgeschlossen, fachlich war die Ausbildung daher kein Problem für ihn. Schwierig war es auf anderer Ebene. „Die Sprache ist neu. Ich musste viel lernen, auch am Wochenende. Aber es hat geklappt“, sagt er.

Sprache war kein Hindernis

Im Büroalltag war die Sprache kein Hindernis. Wenn eine Formulierung noch nicht richtig war, schrieben sie sich die richtige gleich auf, damit sie es beim nächsten Mal besser wussten, berichtet Karen Schueler-Albrecht, die heutige Leiterin des Diakonievereins.

Es habe einfach gepasst, erklärt Schueler-Albrecht. Überhaupt ist sie voll des Lobes über ihre Azubis. „Sie sind alle beide unglaublich nett, freundlich und aufgeschlossen“, sagt sie. Sie hat die beiden auch schon „Künstler am Computer“ genannt, denn immer wenn es damit ein Problem gab, fanden sie schnell eine Lösung.

Ein Christ, ein Muslim

Weil beide Arabisch sprechen, konnten sie während ihrer Ausbildung mit den Klienten und Teilnehmern der Sprachkurse gut kommunizieren und gleichzeitig ihre eigenen Erfahrungen einbringen – zum Beispiel bei der Kursplanung für Sprachkurse. Sie kontrollierten Teilnehmerlisten oder achteten etwa darauf, dass Teilnehmer alle nötigen Unterlagen einreichen. Im Frühjahr machten sie darauf aufmerksam, dass viele Kursbesucher noch nicht gut über die Pandemie informiert waren.

Und wie ist es, für die Kirche zu arbeiten? „Ich bin Christ, das ist ganz normal für mich“, sagt Isper. Sein Kollege Masmas ist Muslim. Bei der Arbeit habe aber weder das eine noch das andere eine Rolle gespielt, sagt Schueler-Albrecht, „wir sind ein sehr interkultureller Verein“. Weil die Einrichtung von vielen Menschen mit unterschiedlichen Religionen besucht werde, sei es ohnehin immer sehr international­.

Zuständig fürs Sekretariat

Die Ausbildung zum Kaufmann für Büromanagement dauert normalerweise drei Jahre. Mohammed Masmas absolvierte das erste Jahr als Einstiegsqualifizierung und schloss dann die normale Ausbildung an. Diese Möglichkeit gibt es, wenn jemand zum Beispiel erst noch Sprachkenntnisse nachholen muss.

„Wir freuen uns, dass wir zwei Syrern bei der Integration helfen konnten“, sagt Schueler-Albrecht. Derzeit gibt es noch keine Nachfolger. Mohammed Masmas ist auf der Suche nach seinem ersten Job. Eyad Isper hat eine Stelle beim Diakonischen Werk Hamburg-West/Südholstein bekommen.

Dort kümmert er sich um die Post und Sekretariatsarbeiten, auch bei Personalarbeit und Controlling ist er beteiligt. Weil er eigens dafür eine zusätzliche Schulung gemacht hat, stellt er beispielsweise die Nachrichten des Diakonischen Werkes auf die Internetseite der Nordkirche. Noch ist er meist als Unterstützung für seine Kollegen eingesetzt. Er hofft aber, nach und nach mehr Aufgaben selbstständig übernehmen zu können. „Ich mag den Beruf“, sagt er. Gut möglich, dass er künftig auch Weiterbildungsmöglichkeiten nutzt, wenn sie sich bieten.

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