Ende des Bürgergelds in Italien trifft fast 700.000 Familien

Die Mitte-Rechts-Regierung Meloni hat das Bürgergeld in Italien Ende 2023 abgeschafft. Nun schlagen Sozialverbände und Caritas Alarm wegen der Gefahr neuer Armut.

Ein halbes Jahr nach dem Ende des Bürgergelds in Italien haben Sozialverbände wie die katholische Caritas kritisch Bilanz gezogen. Nach einem Bericht der Tageszeitung “Avvenire” (Sonntag) kam die staatliche Zuwendung allein im Jahr 2023 rund 1,4 Millionen Familien zugute.

Die Regierung von Giorgia Meloni schaffte das Bürgergeld ab, um neue Anreize zur Beschäftigung zu geben und um Schwarzarbeit zu verringern. An seine Stelle traten neue Zuschüsse, die an strengere Bedingungen geknüpft sind und als “Inklusions-Scheck” und als Hilfe zur Integration in den Arbeitsmarkt ausgezahlt werden. Von diesen Transferleistungen profitieren dem Bericht zufolge derzeit nur noch rund 700.000 Familien.

Im gesamten Zeitraum zwischen April 2019 und Dezember 2023 bezogen nach Berechnungen der italienischen Sozialversicherung 2,4 Millionen Familien Bürgergeld, das entspricht einer Zahl von rund 5,3 Millionen Personen. Insgesamt kostete die Transferleistung die italienischen Steuerzahler in diesen knapp fünf Jahren 34 Milliarden Euro.

Die “Allianz gegen Armut”, in der sich mehrere Sozialverbände zusammengeschlossen haben, kritisierte laut “Avvenire”, dass zu wenige Menschen die neuen Zuwendungen erhielten. Allein in der Pandemie in den Jahren 2020 und 2021 habe das Bürgergeld 450.000 Menschen vor der Armut bewahrt; diese drohe sich jetzt wieder auszuweiten.

Kritisch äußerte sich auch Marco Pagniello, Direktor der Italienischen Caritas. Der Geistliche kündigte an, der katholische Sozialverband werde genau beobachten, welche Folgen das Ende des Bürgergeldes für die betroffenen Familien habe. Auch werde die Caritas untersuchen, wie sich die neuen Zuschüsse der Regierung Meloni auswirkten.