In Bad Segeberg wird ein besonderer Gedenkort eingeweiht

Eine Synagoge aus Metall

Aus Stahlstreben wird die historische Fassade der Segeberger Synagoge nachgebaut, elf Meter hoch und acht Meter breit. Sie steht dort, wo früher das jüdische Gebetshaus stand.

Am gefallenen Davidstern: Walter Blender (li.) und Architekt Klaus Eggers auf dem Areal des neuen Synagogen-Denkmals

von Thorge Rühmann

Bad Segeberg. Am 9. November jährt sich die „Reichspogromnacht“ zum 83. Mal: Im Jahr 1938 an diesem Tag hatte das NS-Regime  die Zerstörung zahlloser jüdischer Geschäfte und Synagogen ins Werk gesetzt, viele Menschen wurden ermordet, verschleppt, drangsaliert. Auch in Bad Segeberg wurde das jüdische Gebetshaus gestürmt und entweiht. An der Stelle, wo es früher stand, hat die jüdische Gemeinde nun ein Denkmal geschaffen, das an die ehemalige Synagoge als Ort jüdischen Lebens erinnern soll.

Das Denkmal steht mitten in Bad Segeberg an der Lübecker Straße Hausnummer 2. Es ist komplett aus Metall gebaut; stabile, verzinkte Stahlstreben ahmen auf acht Metern Breite und elf Meter hoch die historische Fassade der Synagoge nach. Dazu gehören acht filigrane Fenster und eine Türöffnung, an deren Schwelle vier Stolpersteine auf das traurige Schicksal von Juden aus Bad Segeberg in der NS-Zeit erinnern.

Ein Gedenkort, der sich selbst erklärt

„Wir wollen das jüdische Leben in Schleswig-Holstein sichtbar machen, nicht nur das jetzige, sondern auch das ehemalige. Es war ein Teil der Stadt, nur ein kleiner Teil zwar, aber es gehörte eben dazu“, sagt Walter Blender, Vorsitzender des Landesverbands der Jüdischen Gemeinden von Schleswig-Holstein. Dies sichtbar zu machen, gelinge effektiv und auf Dauer nur mittels eines Gedenkorts, der selbsterklärend sei.

Keine Wände, kein Dach

Das Denkmal bewegt die Menschen, die es besichtigen. Das ist erwünscht, betont Blender, der als Kriminalbeamter arbeitet. „Man geht durch die Türöffnung und spürt: keine Wände, kein Dach. Es ist leer – das ist der Effekt, den wir uns wünschen.“ Mit dem Gefühl wolle man erreichen, dass die Menschen sich daran erinnern, was einmal war und nicht mehr ist, so Blender. Und wie es dazu kam: „Wählt nicht die Falschen“, ruft er auf, „das ist schon einmal schiefgegangen und kann wieder schiefgehen. Achtet auf die Anfänge!“

Auf einer Edelstahl-Platte sind die Namen der jüdischen Opfer aus Segeberg eingraviert, etwa 60 Personen. Besonders symbolträchtig und nicht minder traurig wirkt der metallene Davidstern, der auf dem Areal schräg im Boden steckt – „als Erinnerung daran, dass hier eine jüdische Einrichtung und Gemeinschaft zerstört wurde“, erläutert Blender. Auch das ehemalige Mikwe-Becken und die Grundmauern der Synagoge sind zu sehen.

Erste Besucher begeistert

Die Bevölkerung vor Ort musste auf das Projekt behutsam vorbereitet werden, so Blender. Die Stadt überschrieb der Gemeinde das kleine Grundstück schräg gegenüber dem Rathaus, dann setzten ein Architektenbüro und ein Metallbau-Unternehmen aus der Region das Projekt um – für insgesamt 55.000 Euro, die aus Spenden stammen.

Wilfried und Sabine Jendis haben sich das Denkmal bereits vorab einmal angesehen – und sind begeistert. „Das ist toll gelungen: Die Fassade, der Davidstern und auch die Stolpersteine passen sehr gut zusammen“, sagt der 81-jährige Jendis, der den Kulturring im nahen Wahlstedt leitet. „Es ist wichtig, dass man sich an Orte wie diesen erinnert, denn die Zeitzeugen sterben aus.“

Einladung zur Einweihung

Das Synagogen-Denkmal wird am Dienstag, 9. November, um 12 Uhr öffentlich eingeweiht, Interessierte sind willkommen. Prominente Gäste haben ihr Kommen zugesagt, darunter Finanzministerin Monika Heinold, Landtagsvizepräsidentin Aminata Touré und Rabbiner Isak Aasvestad. Die Enkelkinder des einzigen jüdischen Holocaust-Überlebenden aus Bad Segeberg, Jean Labowsky, werden die ersten von sechs Kerzen entzünden – im Gedenken an sechs Millionen ermordete Juden.

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